I

ALLGEMEINE BETRACHTUNGEN ÜBER DAS BRÜDERLICHE GESPRÄCH

 

Seit dem 2. Generalkongress des Werkes (22.-25. August 1955) ist Spanisch die offizielle Sprache des Werkes. Die hier dargebotenen Interna stellen illegale Hybridformen von Leitungsdokumenten dar, die von einem anonymen Gremium des Generalrats erstellt wurden und nur für den internen Gebrauch, ohne ISBN-Nummer, weitergereicht werden. Während die "Statuten", die wenig mit der gelebten Praxis im Opus Dei zu tun haben, in betrügerischer Absicht dem Heiligen Stuhl in lateinischer Sprache vorgelegt wurden, den Mitgliedern aber nicht zugänglich sein sollen, arbeiten die Leiter des "Werkes" mit diesen Arkanschriften, die wiederum weder der Öffentlichkeit noch der kirchlichen Aufsicht bekannt sind. Dabei werden sie auf Sprachregelungen eingeschworen, die jeweils für das Funktionieren der Sekte und die Verteidigung gegen Vorwürfe getroffen wurden.

 

  1. NOTWENDIGKEIT DER GEISTLICHEN LEITUNG
  2. GEGENSTAND DER AUSSPRACHE
  3. BEREITSCHAFT DESSEN, DER DIE AUSSPRACHE MACHT
  4. ORT UND DAUER DES GESPRÄCHS

 

1. NOTWENDIGKEIT DER GEISTLICHEN LEITUNG

 

Die Heiligkeit, Fülle der Gotteskindschaft,1 zu der wir Christen alle berufen sind,2 besteht notwendigerweise in der Fülle der Liebe3, denn es ist der Heilige Geist, die unendliche Liebe, die uns zu Kindern Gottes macht und uns zur Fülle dieser Kindschaft führt, indem er in uns die Gnade und die Liebe wachsen lässt. Der Heilige Geist führt uns zur Heiligkeit, durch Inspirationen und innere Regungen in der Seele ebenso wie durch andere Personen, die er als Werkzeuge benutzt.4

 

1     Worte unseres Vaters, Brief 2-II-1945, Nr. 8.

2     Das aber ist der Wille Gottes: eure Heiligung (1 Tes 4,3). Vgl. Ef 1,4; Concilio Vaticano II, Const. dogm. Lumen gentium, Nr. 39.

3     Die Spur des Sämanns, Nr. 739.

4     Zahlreich sind die Passagen der Schrift, in denen sich diese Wirklichkeit zeigt. Man kann beispielsweise an die Zurechtweisung denken, die Gott David durch den Propheten Nathan erteilt hat (vgl. 2 Sam 12,1-7), oder die Aufgabe, die der Jünger Ananias bei der Bekehrung des heiligen Paulus übernommen hat (vgl. Apg 9,10-18).

 

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Die menschliche Mitwirkung am Prozess der Heiligung hat den Heiligen Geist zum Quell, der uns, indem er uns heiligt, an der Heiligung der anderen mitwirken lässt, er macht aus dem Christen einen “Heiligenden”. Einige hat er als Apostel eingesetzt, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, damit sie in der Erfüllung ihres Dienstes die übrigen vollkommener machen, um den Leib Christi aufzuerbauen, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, dem vollkommenen Menschen, durch die Fülle Christi 5. Jeder Christ ist als Mitglied des mystischen Leibes Christi für das Wachstum seines christlichen Lebens verantwortlich, und entsprechend wirkt er auch am Wachstum der anderen mit: “Er [Christus] verteilt beständig in seinem Körper, das ist die Kirche, die Gaben der Dienste, durch die wir einander gegenseitig im Hinblick auf die Erlösung helfen, damit wir die Wahrheit in der Liebe erlangen, damit wir mit allen Mitteln in Ihm wachsen, der unser Haupt ist” (vgl. Eph 4, 11-16)”6.

Unter diesen Mitteln befinden sich – abgesehen von den Sakramenten- das Gebet und die gegenseitige Hilfe — liebt einander von Herzen mit brüderlicher Liebe, indem einer mehr die Ehre des anderen als die eigene sucht7 —, die sich im Werk auf besondere Weise in der beständigen Übung der brüderlichen Zurechtweisung konkretisiert;8 und in der geistlichen Bildung, denn jedes christliche Leben hat seinen Sinn in der Berufung zur Gleichförmigkeit mit Christus,9 der


5 Eph 4, ll-13.

6 II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 7.

7Röm 12,10.

8        Denn wenn sie hinfallen, richtet einer den anderen auf. Doch wehe dem, der allein ist, wenn er hinfällt, ohne dass einer bei ihm ist, der ihn aufrichtet. (Pred 4,10). Vgl. auch Mt 18,15-17. Die brüderliche Zurechtweisung umfasst bei Weitem mehr als bloß die Aufmerksamkeit gegenüber den Fehlern der anderen: Sie deckt Verhaltensweisen und Gewohnheiten auf, die sich oft der persönlichen Aufmerksamkeit oder den Gewissenserforschungen entziehen, Fehler, des Charakters, die der Person selbst oder den anderen schaden. Ihr Sinn ist die brüderliche, freundschaftliche Hilfe im Sinn des Evangeliums.  

9        Und auf diese Weise erreichen wir es Ihn und die Kraft Seiner Auferstehung zu erkennen, teilzuhaben an Seinem Leiden und Ihm gleich zu werden in Seinem Tode in der Hoffnung, die Auferstehung von den Toten zu erlangen (Phil 3,10-11).

 

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einen Prozess des Wachstums in der Lehre und in den moralischen Tugenden zur Folge hat, der sich über das ganze Leben fortsetzen muss.10

In diesem Prozess hat die geistliche Leitung eine grundlegende Bedeutung, die sich von Seiten dessen, der sie empfängt, wie eine beständige Hilfe beschreiben lässt, die innerhalb der Kirche eine Person einer anderen zuteil werden lässt, um sie zur vollen Entfaltung ihres christlichen Lebens anzuleiten; von Seiten des Direktors [Leiters]11 lässt sie sich als die Kunst charakterisieren, die Personen in der Entfaltung der Gnade und der persönlichen Berufung zu führen, entsprechend dem Wirken des Heiligen Geistes in ihren Seelen.

Die angemessene geistliche Leitung, die uns das Werk erteilt, stellt, wie unser Vater gesagt hat, ein Recht dar, das aus der spezifischen Berufung kommt, die wir empfange haben; und eine Pflicht12, die man so erfüllen muss, dass wir in allem wachsen, bis wir Ihn erreicht haben; Er, Christus, ist das Haupt.13 Deshalb ist für die Gläubigen des Werkes der Vater der gute Hirte sowie alle jene, die von ihm den Auftrag erhalten haben: Der Herr wollte euren Vater als Hirt für diese Schafe, und djene, die vom Vater diesen Auftrag bekommen: die Direktoren und die Priester im Werk, denn gewöhnlich erteilt man ihn niemandem, der nicht vom Opus Dei ist.14. Es ist das Opus Dei selbst, das die geistliche Leitung erteilt,

 

10      “Die Bildung der gläubigen Laien hat das hauptsächliche Ziel, immer klarer die eigene Berufung zu erkennen und immer verfügbarer zu sein, um die eigene Mission zu erfüllen” (Johannes Paul II, Christifideles laici, Nr. 58).

11   Der Ausdruck “Direktor” wird in einem weiten Sinn gebraucht, er wird ebenso auf die Person angewendet, die das brüderliche Gespräch entgegennimmt, wie in einem engeren Sinn für ein Mitglied des örtlichen Rates oder den Priester des Zentrums. Der Zusammenhang wird das in jedem Fall deutlich machen; er ist in etwas identisch mit dem, was unser Vater mit dem Ausdruck “Guter Hirt” bezeichnet hat (s. u. ).

12 Wir alle haben aufgrund der Tatsache, dass wir zum Opus Dei gehören, das Recht und die Pflicht, die geistliche Leitung zu empfangen, die uns das Werk erteilt, und auf die Weise, wie sie es uns erteilt (...), um so unseren besonderen Geist zu erwerben und darin zu wachsen, ihn andern mit Wirksamkeit weiterzugeben

(Worte unseres Vaters, Brief 15-VIII-1953, Nr. 35; vgl. Brief 28-III-1955, Nr. 29).

13 Eph 4,15. Vgl., Worte unseres Vaters, Brief 28-III-1955, Nr. 13.

14 Worte unseres Vaters, Brief 28-III-1955, Nr. 16. Und er setzt fort: Diejenigen, die keinen Auftrag vom Vater oder von den Regionaldirektoren erhalten haben, können keine guten Hirten sein. Denn der Priester, der die Beichte entgegennimmt, ist nicht nur Richter, sondern auch Lehrer, Arzt, Vater: Hirte. Wie könnte jemand diese Dienste gut ausüben, der nicht weiß, was Gott von uns will, entsprechend der Berufung, die Er uns gegeben hat? Wie denn auch, wenn er unseren Geist nicht hat? Und wie sollte er es tun, wenn er nicht den rechtmäßigen Auftrag hat und deshalb auch nicht die besondere Gnade, um seine Mission gut zu erfüllen? (Ebda., Nr. 17).

 

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und niemand kann sich das ausschließliche Recht anmaßen sie auszuüben.1.

Die geistliche Leitung, die uns das Werk erteilt, besteht aus den persönlichen und den kollektiven Bildungsmitteln. Die persönliche geistliche Leitung empfangen alle (...) in der Aussprache16 und in der sakramentalen Beichte; die kollektive wird großteils von Laiendirektoren erteilt, in den Studienzentren, bei den Jahreskursen, bei Besinnungstagen, in den Kreisen, bei den Betrachtungen, bei den Collationes de re morali et litúrgica, bei besonderen Konvivenzen etc.17

Die Aussprache – dieses aufrichtige Gespräch, voll übernatürlichen Sinnes – ist, abgesehen von den Sakramenten, das wichtigste Mittel zu unserer Heiligung, das wir im Opus De haben18. Diese Worte unseres Vaters zeigen die Bedeutung dieses persönlichen Bildungsmittels, eines Schatzes von unermesslichem Wert, den Gott dem Werk geschenkt hat. Die Aussprache ist für uns ein Mittel der Heiligung, weil in ihr der Heilige Geist wirkt, der heilig macht, um den, der es anwendet, mit Christus gleich macht auf dem Weg der Berufung zum Opus Dei. Es ist sein übernatürlicher Charakter, der alle Aspekte des brüderlichen Gesprächs erhellt.

Indem uns der Herr ins Opus Dei berufen hat, wollte er uns auf jenem Weg zur Heiligkeit führen, den unser Gründer gewiesen hat, und er wollte unserem Vater

 

15 Ebda.., Nr. 14.

16 Die Direktoren und Direktorinnen, die Laien sind, erteilen, wenn sie die Aussprache entgegennehmen, geistliche Leitung im strikten Wortsinn, auch wenn sie der Mitarbeit ihrer priesterlichen Brüder bedürfen (Worte unseres Vaters, Brief 28-III-1955, Nr. 33). Wer ist also der Gute Hirte im Werk? Der Direktor – in der weiblichen Abteilung die Direktorin – und der Priester. Nicht dieser oder jener, sondern der Direktor, wer auch immer es sei, und ebenso der Priester des Werkes, wer auch immer es sei (Ebda., Nr. 14).

17 Ebda.., Nr. 13.

18 Worte unseres Vaters, zit von Don Alvaro in Familienbriefe (1), Nr. 112.

 

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und seinen Nachfolgern das Amt des gute Hirten anvertrauen, um uns auf diesem Weg zu behüten. Mit dieser übernatürlichen Überzeugung sind die Gläubigen des Werkes von Anfang an zu unserem Vater gegangen, und dann zum Direktor, um persönlich die geistliche Leitung zu empfangen, die sie brauchten19. Deshalb versicherte unsere Vater, wer auch immer es ist, der unsere Aussprache entgegennimmt, es ist immer der Vater, der sie hört.2.

Aus dieser Wirklichkeit ergeben sich einige Konsequenzen von höchster Tragweite:

-      wer vom Vater – sei es unmittelbar oder durch die Direktoren – den Auftrag bekommen hat, das brüderliche Gespräch mit einem Gläubigen des Werkes zu führen, erfüllt in diesem Moment - in actu21- das Amt des Guten Hirten, das im Sinn des Vaters ausgeführt werden muss, weil man weiß, dass er mit der göttlichen Gnade rechnet, um „die Verantwortung einer wahren und wirksamen geistlichen Leitung“ übernehmen zu können22, gemäß dem Geist des Werkes;

-      wenn wir unsere Seele in der Aussprache öffnen, handeln wir ganz frei, wie das im Werk immer so gelebt wurde. Nichts zwingt uns, unser Gewissen außerhalb der Beichte  offenzulegen. Wir gehen zum brüderlichen Gespräch, weil es ein unerlässliches Mittel ist, das uns das Werk erteilt, damit wir unserer göttlichen Berufung entsprechen können;23

-     zum brüderlichen Gespräch muss aus übernatürlichen  Motiven gehen, nicht aus den menschlichen Gründen der Freundschaft, der gemeinsamen beruflichen, kulturellen etc. Interessen.

19 „Die Aussprache entstand spontan, ohne Anstrengung, wie das Wasser in einem Kanal fließt, mit der gleichen Natürlichkeit, mit der das Wasser aus einer Quelle hervorbricht, sagt der Vater (...). Ich hatte keinen Lehrer – sagte er, als er über diese und andere Dinge sprach, - und es war der heilige Geist, der mich belehrte. Die ersten haben freiwillig – sehr frei – die Gewohnheit übernommen, dem Vater von alle ihren Angelegenheiten zu erzählen, ihr Gewissen unter vier Augen, außerhalb der Beichte, zu öffnen: und wenn der Vater nicht da war bzw.- als die Arbeit zu wachsen begann, gingen unsere ersten Brüder zum Direktor, mit dem gleichen offenen Geist, um ihre Aussprache zu machen, die sich als so wirksam, so notwendig erwiesen hat (Instruktion, Mai1935/14-IX-1950, Anm. 75).

20 A solas con Dios [Allein mit Gott], Nr. 287.

21 Vgl. Catecismo de la Obra, Nr. 206.

22 Catecismo de la Obra, Nr. 213.

23 Vgl. Catecismo de la Obra, Nr. 212.

31        Ihr müsst euch sehr klar in der geistlichen Leitung aussprechen, um die konkreten Umstände eurer Arbeit, der Familie, der gesellschaftlichen Verpflichtungen darzustellen, damit bei uns ein einiger Geist herrscht und dieselben asketischen Mittel, die sich in jedem Fall ohne Härte verwirklichen können und müssen (Worte unseres Vaters, Brief 9-1-1959, n. 33).

32        Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Const. past. Gaudium et spes, Nr. 36.

33        Im Allgemeinen geht es, bei aller Rücksicht auf diese Aktivitäten, bei der Aussprache darum, sie mit christlichem Geist zu erfüllen und die christlichen Tugenden auf diesem Gebiet zu leben. In den folgenden Abschnitten wird auf dieses Thema genauer eingegangen werden; nun genügt es zu sagen, dass die Angelegenheiten, über die man frei bestimmen kann, in der Hinsicht Gegenstand des brüderlichen Gesprächs sein können, dass sie mit dem christlichen Leben im Opus Dei zu tun haben, das Gegenstand der geistlichen Leitung ist.

34        Conversaciones, Nr. 90. In allen zeitlichen Angelegenheiten genießt ihr vollkommene Freiheit: dieselbe, die auch eure katholischen Mitbürger genieße, so dass sich die geistliche Vorbereitung, die euch das Werk gibt, in euren beruflichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen etc. Beziehungen nur in dem Eifer zeigt, den ihr hineinlegt, um noch vor aller menschlicher Leidenschaft das oberste Gebot der Liebe zu erfüllen, in der Umsicht, in der ihr euren Standpunkt zum Ausdruck bringt, indem ihr die Probleme studiert, ohne leidenschaftliche Diskussionen zu führen; im Respekt vor der vollkommenen Freiheit der anderen, die auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit herrscht, und im Verständnis, in der Nachsicht, mit der ihr Personen behandelt, die entgegengesetzte Meinungen vertreten, auch wenn ihr den Ideen gegenüber unnachsichtig seid, die den Lehren oder der Moral der Kirche widersprechen (Worte unseres Vaters, Brief 6-V-1945, Nr. 34).

 

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Umgekehrt würde derjenige, der die geistliche Leitung erteilt, den Sinn der Aussprache verraten, wenn er nicht ein treuer Mitarbeiter der Gnade wäre – und nur das – bei der Aufgabe, die Einheit des Lebens bei denen zu befördern, die mit ihm sprechen; deshalb würde er seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn er nicht lehrte, die Freiheit in der Hingabe an Gott auszuüben, wenn er Zustände der Verbürgerlichung tolerierte oder der halbherzigen Hingabe an die anderen, wenn er aus Mangel an Sorgfalt zuließe, dass es Aspekte gibt, die nicht auf Gott hin orientiert sind, oder sich auf ungebührliche Weise in die erlaubten beruflichen, familiären, gesellschaftlichen oder politischen Optionen einmengen würde, die die Kirche der freien Ausübung durch die Gläubigen anheimstellt.

Das brüderliche Gespräch umfasst so vieles, weil das Werk eine übernatürliche Familie ist. Wer die Aussprache entgegennimmt, gibt sich Mühe, sich mit dem Herzen des Vaters zu identifizieren, der Sorge trägt, voll menschlicher und übernatürlicher Liebe, um alles, was die Heiligkeit dessen, der sie macht, betreffen kann seiner Gesundheit, seine Erholung, seine Beschäftigungen, seine Schmerzen, seine Freuden… Dieser muss ihm seinerseits sein herz vollkommen öffnen, als würde er mit dem Vater selbst sprechen, ohne zu denken, dass diese Dinge seine Angelegenheit wären oder dass es kein Heilmittel gäbe. Im Gegenteil, er wird das Wichtigste empfangen, das Licht Gottes, um Seinen Willen zu erfüllen, und die Wärme und die Stärke des ganzen  Werkes, denn wir bilden, ganz wie die ersten Christen, ein Herz und eine Seele.35 Mit unserem beständigen Rufen vor dem Throne Gottes bilden wir eine einzige Stimme, ein- und dasselbe Gebet, wir haben denselben Herzschlag, den Herzschlag des Werkes36.

Wie bereits gesagt wurde, ist es der übernatürliche Charakter, der alle Aspekte des brüderlichen Gesprächs erhellt, das jedes Mitglied des Opus Dei regelmäßig mit dem örtlichen Direktor halten  muss, oder mit jener Person,

 

35           Apg 4,32.

36 Worte unseres Vaters, Aufzeichnungen aus einem Beisammensein, 18-VI-1972, aus Crónica VIII-1972.

 

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die von den Direktoren bestimmt wird37. Und der Catecismo des Werkes fügt hinzu, „dass sie bei ihnen frei und spontan ihre Seele öffnen  können“ (..) Mehr noch, diese Gewohnheit wird lebhaft empfohlen,  auf der unser Gründer immer so sehr bestanden hatte, dass sie alle ganz treu erfüllen sollen und dass dies den guten Geist bezeugt.“ 38. Es heißt, dass die Gläubigen des Werkes ihre Seele in der Aussprache öffnen können, denn es ist ein Recht, dass sie haben. Und gleichzeitig sollen sie diese Gewohnheit ganz treu erfüllen, denn es ist eines der Mittel, durch das wir uns mit dem Geist des Werkes identifizieren, und das haben wir versprochen, als wir uns in die Prälatur eingliederten39.

Besonders im Catecismo wird ausgeführt, dass „der Gegenstand der Aussprache“ darin besteht, dass jeder „seinen Geist mit dem des Werkes identifiziert und „seine apostolischen Aktivitäten verbessert.

„1) Dieses Gespräch macht die Kenntnis, die die Direktoren von den Gläubigen des Werkes haben, klarer, vollständiger und tiefer, und so können sie ihnen besser helfen;

2) dieses Bildungsmittel bekräftigt den Willen jedes Gläubigen, nach dem Geist des Opus Dei die Heiligkeit zu suchen und das Apostolat auszuüben;

3) es verleiht ein größeres Verständnis und geistliche Einheit mit den Direktoren“40.

37 Vgl. Catecismo de la Obra, Nr. 208.  Aus allgemein verständlichen ebenso wie aus übernatürlichen gründen ist es klar, dass die Aussprache nur mit dem Direktor zu halten ist oder mit der Person, die von den Direktoren bestimmt wurde, denn “nur sie rechnen mit der besonderen Gnade, um die Mitglieder des Werkes zu betreuen und ihnen zu helfen”;  “wenn man außerdem nicht diese Aussprachen mit anderen Personen vermeidet, könnte es Raum für Gruppenbildung oder besondere Freundschaften geben, und bei einigen könnte eine Neugier um sich greifen, die fehl am Platz ist und die Dinge betrifft, die sie nichts angehen” (Ebda.., Nr. 212).

38 Ebda..

39            Auf ähnliche Weise kann man auch sagen, dass die Gläubigen des Werkes „treu die Normen erfüllen müssen“: gewiss nicht deshalb, weil sie unter Sünde dazu verpflichtet wären (das Nichterfüllen einer Norm ist in sich keine Sünde, wie unser Vater viele Male hingewiesen  hat), sondern weil sie ein sicheres Mittel sind, auf dem Weg der Berufung zum Werk in der Heiligkeit zu wachsen, und wir haben das sichere Bewusstsein, dass wir sie mit Sorgfalt pflegen müssen, um unserer Liebesverpflichtung treu zu sein.

40      Ebda., Nr. 208.

 

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Das brüderliche Gespräch ist ein Zeichen besonderer Zuneigung des Herrn für uns, der möchte, dass sich niemand im Werk menschlich und übernatürlich allein fühlen muss,41, und sie ist eine Notwendigkeit unseres inneren Lebens: denn jeder einzelne von euch findet in der Aussprache einen Abzugskanal, in den er seine Schmerzen und seine Sorgen leitet – um sie anzunehmen, nicht als passives Erleiden, sondern mit der Zustimmung eines Glaubenden  - sein Gebet und seine Arbeit, alles, was unser Leben ausmacht.42 Deshalb ist es für diejenigen, die die Aufgabe übertragen bekommen haben, zu helfen, unsere Brüder zu leiten und zu bilden, die wichtigste Aufgabe, an die sie ihre besten Kräfte setzen: Es ist notwendig, sie mit Fürsorge zu erledigen, dieser Arbeit die erste Priorität einzuräumen und sie mit wachsamer und herzlicher Aufmerksamkeit zu tun, mit tiefer Kenntnis und aus einem geistlichem und apostolischem Antrieb, der für die Gläubigen im Werk unverzichtbar ist.

3. BEREITSCHAFT DESSEN, DER DIE AUSSPRACHE MACHT

Die Aussprache bereitet man üblicherweise Gebet vor, indem man den Herrn um Licht  bittet und den Heiligen Geist, damit wir jene Punkt in den Mittelpunkt stellen, die in der entsprechenden Zeitspanne eine besondere Mühe gemacht haben. und indem wir den positiven Wunsch fördern, uns zu bessern: „Es glühend zu wünschen und in der Gegenwart Gottes jene Punkte zu prüfen, die angesprochen werden sollen“43, das sind deshalb die Bedingungen, die es gestatten werden, die größtmögliche Frucht daraus zu ziehen. Dieser glühende Wunsch stützt sich nicht auf menschliche Motive, Sympathie oder Ähnlichkeit des Charakters, sondern hat übernatürliche Wurzeln: Wir sind davon überzeugt, dass eine gut gemachte Aussprache den Weg der Berufung erhellt, auf dem Gott jeden von uns führt.

41         Niemand kann sich im Opus Dei allein fühlen! (...) Ich wiederhole es euch: Niemand hat das Recht, sich allein zu fühlen (Worte unseres Vaters, aus einem Beisammensein vom 18-VI-1972, in Crónica VIII-1972).

42         Worte unseres Vaters, Brief 29-IX-1957, Nr. 81.

43         Catecismo de la Obra, Nr. 210.

 

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Deshalb müssen wir uns alle Mühe geben, in der Aussprache jeden Vorsatz, jede Reaktion oder Handlung unseres geistlichen Lebens zu erwähnen, um zu wissen, ob es das ist, was Gott für uns will, oder ob uns das eigene Kriterium täuscht, ob es einer menschlichen Sicht der Dinge entspricht etc. In der Aussprache gibt uns der Herr das Licht, damit wir wissen – um zu lernen – was wir tun müssen um uns in einem bestimmten Fall gut, mit christlicher Vollkommenheit, .44

Die Aussprache45 ist immer ein persönliches und brüderliches Gespräch, in dem wir Rat bund geistliche Nahrung empfangen; deshalb empfiehlt uns unser Vater: Sprecht aufrichtig mit euren Direktoren, damit sich die Freiheit niemals verwirrt und der Friede unseres Geistes angesichts der Schwierigkeiten, denen ihr begegnen werdet – oft werdet ihr sie euch auch nur einbilden – und für die es immer eine Lösung gibt.4.

Macht euch bewusst, dass die geistliche Bildung, die wir empfangen, der Komplikation un dem Skrupel entgegenwirkt, dem inneren Zwang: Der Geist des Werkes verleiht uns eine Freiheit des Geistes, er vereinfacht unser Leben, er vermeidet, dass wir uns verkrampfen; er lässt uns auf uns selbst vergessen und macht, dass wir uns liebevoll um die anderen kümmern.4. Die geistliche Leitung, die das Werk erteilt, hilft uns uns innerlich zu entkomplizieren48 und im äußeren Umgang Personen zu sein, die sich in der Gesellschaft mit Einfachheit entfalten, indem sie mit Natürlichkeit dem christlichen Geist folgen, der uns anleitet, ohne falsche Angeberei irgendwelcher Art, aber auch ohne Komplexe und menschliche Rücksichten.

44         Worte unseres Vaters, Instruktion, 8-XII-1941, Nr. 20.

45         Man kann sie auf unterschiedliche Art bezeichnen, da es keine typische und ausschließliche Bezeichnung der Prälatur dafür gibt. Es ist nicht unpassend, synonyme Ausdrücke dafür zu verwenden, wie sie in der Umgangssprache üblich sind; man jkann beispielsweise sagen: Wir wollen reden, seit unserem letzten Gespräch, das letzte Mal, als wir uns unterhalten haben  etc.

46         Worte unseres Vaters, Brief 9-1-1959, Nr. 33.

47Ebda.

48 Aber man erwartet unser persönliche Mitarbeit in der persönlichen und in der kollektiven geistlichen Leitung Und wir müssen in besonderer Weise in den Kämpfen unseren teil dazu beitragen, die nur Gott und jeder einzelne von uns kennt, indem wir alles weit von uns werfen, was uns mehr anzieht als die Gabe Gottes, mehr als die Heiligkeit, mehr als das ewige Ziel unseres Weges, den wir eines Tages aufgenommen haben, als wir unseren Ruf vernahmen (Worte unseres Vaters, Brief 17-VI-1973, n. 11).

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Die Vereinfachung eures Innenlebens geschieht durch die Aufrichtigkeit, ein grundlegendes Element des brüderlichen Gesprächs; wenn man sie freiwillig außer acht lässt, kann man sagen, dass es keine Aussprache mehr ist.49 Die Aufrichtigkeit ist die Bedingung dafür, dass eure Aussprache wahrhaftig ist, das heißt, wahrer Ausdruck der inneren Bereitschaft und des persönlichen Eifers nach Heiligkeit.

Wie die übrigen Tugenden, kann auch die Aufrichtigkeit beständig wachsen, denn mit der Gnade Gottes gewährt sie Licht, das beständig Details unseres Verhaltens beleuchtet, die wir verbessern können, ungeordnete Reaktionen angesichts bestimmter Vorfälle, Mängel in der Hingabe, derer wir uns vielleicht vorerst gar nicht so bewusst gewesen sind oder die sich nicht so zeigten. Außerdem ist das menschliche Leben ständigen Veränderungen ausgesetzt, es ergeben sich neue berufliche oder familiäre Beziehungen oder Freundschaften, die Handlungen oder mehr oder weniger dauerhafte Umstände zur Folge haben, die Bestandteil der Aussprache werden können.

In jedem Fall hilft die Aufrichtigkeit bei der Aussprache, die Kenntnis des eigenes Selbst zu verbessern und die Erkenntnis der Liebe Gottes, und den Weg der Berufung, der die Einswerdung mit Christus bedeutet, die er für jedes einzelne seiner Kinder im Opus Dei wollte.50 Deshalb riet uns unser Vater häufig, dass wir mit Klarheit sprechen  – mit wilder

 

49 Erstens, weil die Wahrhaftigkeit darin besteht, dass man sich gemäß der tatsächlichen Ordnung der Dinge äußert und verhält, und es entspricht der Gerechtigkeit, diese Ordnung zu respektieren (vgl. Summa Theologiae, II-II, quaestio 109, aa. 1-3): Die Wahrhaftigkeit schafft eine Entsprechung zwischen den Zeichen (dem, was man sagt und tut) und den Dingen; zwischen beiden gibt es eine Entsprechung /von Zeichen und Dingen), die die die Grundlage für die moralische Pflicht des Menschen, entsprechend seiner Ehrenhaftigkeit darstellt, die er den anderen durch den Erweis der Wahrheit schuldet  (vgl. Ebda.., a. 3), und dazu kommt noch die besondere Verpflichtung, die wir mit der Berufung zum Werk übernommen haben (vgl. Codex Inris Particularis, Nr. 6 und 27).

Aufrichtigkeit.50 Denn so wird die aufrichtige Aussprache Ausdruck, Äußerung dieser Einswerdung mit Christus, zu der das christliche Leben streben muss, wenn es wahr sein soll, nach den Worten Christi: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, habt ihr auch meinen Vater erkannt (Joh 14,6-7); und ebenso: dazu bin ich in die Welt gekommen, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme (Joh 18,37).

 

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Aufrichtigkeit,51 wenn es nötig ist -, indem man bei dem beginnt, was einen die meiste Überwindung kostet, indem man die Transparenz sucht, damit das Licht Gottes dank dieses Bildungsmittels ohne Hindernis in die Seele strahlen kann.

Eine andere grundlegende Tugend für die Aussprache ist – als Teil der Klugheit – die Fügsamkeit, die den Menschen bereit macht, den Anordnungen anderer zu folgen.52 Wie jede andere Tugend basiert auch sie auf der natürlichen Fähigkeit, und sie „entfaltet sich in der Ausübung dessen, was der Mensch sorgfältig und häufig durchführt, mit Respekt vor den lehren der Älteren, statt sie aus Trägheit zu verachten oder aus Hochmut zurückzuweisen“. 53

Die Fügsamkeit muss sich in bedeutsamen Angelegenheiten ebenso zeigen wie Dingen von anscheinend geringerer Bedeutung, wie es etwa Details der Kinderstube sind, der Art sich zu kleiden, zu sprechen oder sich zu geben etc. Die Fügsamkeit wird um so notwendiger, wenn wir einmal den Sinn dessen, was sie uns sagen, überhaupt nicht verstehen, aufgrund unserer Begrenztheiten oder weil uns Informationen nicht zur Verfügung stehen; manchmal kann es sich auch um Fragen des guten Geistes handeln, des menschlichen Umgangstons oder der Angebrachtheit.

Vor allem aber ist es wichtig, diesen inneren Feinschliff zu bekommen, um sich von denen raten zu lassen, die dafür mit der Gnade Gottes rechnen, ohne sich vom eigenen Geschmack oder Kriterium leiten zu lassen, mit der Freiheit als Entschuldigung; dann, wenn diese Ratschläge mit einem leichtsinnigen und oberflächlichen Milieu kontrastieren, entsteht die Gefahr, dass der alte Mensch sich beeinflussen lässt und sich mit dem rechtfertigt, „was die anderen tun”. Es ist also angebracht an das zu erinnern, was der heilige Paulus schreibt: Brüder, ihr seid zur Freiheit berufen; aber nehmt diese Freiheit nicht zum Vorwand

51 Aufrichtig und einfach denen gegenüber, die im Werk den Auftrag haben euch zu leiten und zu bilden, damit sie euch anleiten und mit Herzlichkeit helfen können, mit Starkmut, mit Verständnis, mit Wirksamkeit. Aufrichtig mit Feinfühligkeit, aber mit wilder Aufrichtigkeit (Worte unseres Vaters, Brief 11-III-1940, Nr. 61).

52 S.Th., II-II, q. 49, a. 3.

53 Ebda..

 

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um dem Fleisch zu dienen, sondern dient einander gegenseitig aus Liebe54; und der heilige Petrus: Handelt wie freie Menschen, nicht nach der Art derer, die die Freiheit in einen Vorwand verwandeln um Böses zu tun, sondern wie Diener Gottes55.

Im Fall der Numerarier und Assoziierten zeigt sich die Fügsamkeit auch in der völligen Verfügbarkeit zugunsten der apostolischen Aufträge, indem sie bereit sind, den Wohnsitz oder die Arbeit zu wechseln, mit absolutem Vertrauen auf Gott – der die üebrnatürliche  Früchte des Gehorsams reifen lässt – und in die Direktoren, die die Werkzeuge sind, um uns Seinen Willen tun zu lassen, die nur unsere Heiligkeit und unsere apostolische Wirksamkeit suchen. 56

Generell – und namentlich in Augenblicken größerer oder kleinerer Dunkelheit – wird es angebracht sein sich vor der Gefahr zu wappnen, die eigenen Kriterien über alles andere zu stellen, indem man sich damit entschuldigt, dass “man nicht das sieht, was sie einem raten” oder “ich denke nicht, dass mir dieser Plan oder diese Situation schaden wird, von der sie mir abraten, oder  “ich bleibe ganz ruhig, auch wenn sie mir in der geistlichen Leitung sagen, dass ich mich anders verhalten soll. Denn das Urteil kann in diesen Fällen nicht moralisch gerechtfertigt sein, und in diesem Fall darf man ihm nicht folgen: Wenn es beispielsweise klar ist, dass man einer Anordnung des gesetzes Gottes widerspricht oder wenn man sich gegenüber dem willen Gottes hinsichtlich einer bestimmten person auflehnt, wie es in unserem Fall die Treue zu der christlichen Berufung im Opus Dei ist.

Gewiss muss jeder einzelne auf sehr persönliche Weise

54 Gal 5,13.

551 Pe 2,16.

56 Wenn die Jahre vergehen, muss man sich gegenüber der Versuchung vorsehen zu denken, wir seien bis jetzt zu wenig klug gewesen und wir müssten besser an unsere eigene berufliche zukunft denken, oder wir sollten uns mit mehr Hausverstand um unsere Blutsfamilie kümmern etc. Diese Überlegungen sind das Ergebnis einer Klugheit des Fleisches, menschlicher Berrechnungen, des fehlens an übernatürlichem Geist: Wir haben uns nicht geirrt, als wir wie die Apostel alles hinter uns ließen und wie Christus gehrosam wurden bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,8). Denn Gott, Kinder meiner Seele, lässt sich nicht an Großzügigkeit übertreffen (A solas con Dios, Nr. 313).

 

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den Weg der Berufung im Werk gehen, 57 aber ohne sich von dem Geist der völligen Hingabe an Gott zu entfernen, der unser Vater uns überliefert hat. Man kann sich nicht seinen eigenen Weg inmitten der eigenen Mängel an Großzügigkeit zurechtzimmern (“meine Aschwäche”, “meine Kleinheit”). Wenn man so handelte, würde das Leben aufhören eine Antwort auf Gottes Ruf zu sein, sich angesichts der eigenen Nichtigkeit, der Verschwendung, des eigenen Egoismus zu bekehren. Eine sichere Garantie, dass so etwas nicht geschieht, bedeutet es, wenn man sich im brüderlichen Gespräch fordern lässt.58

4. ORT UND DAUER DES GESPRÄCHS

Das brüderliche Gespräch ist spontan entstanden, als eine Notwendigkeit der Seele, voll Einfachheit, Natürlichkeit und Vertrauen. Deshalb macht man sie ohne irgendwelche Umstände; es ist ein Gespräch, das man beim Spaziergang im Garten führt, auf einer Terrasse, in einem Aufenthaltsraum, in einem Zimmer, zu dem alle Zugang haben etc.

57        Das Opus Dei ist ein großes Boot; man kann auf jeder Seite des Bootes sein, auf der man will, es gibt nur zwei wichtige Punkte: entewder man ist drinnen oder man ist draußen. Wer außerhalb des Bootes ist, hat die Berufung verloren. Das Opus Dei ist ein breiter Weg, sehr, sehr weitläufig  - damit soll aber nicht gesagt sein, dass es ein leichter Weg ist, denn arcta via est quae ducit ad vitam [eng ist der Weg, der zum Leben führt], denn der Weg des Opus Dei, der zum ewigen leben führt,  ist zugleich schwierig und  eng, (Mt. 7,14)-; und auf diesem Weg kann man gehen wie man will, rechts, links, in der Mitte, gehend., laufend, geradeaus oder in Schleifen. Wer den Weg verlässt, hat die Berufung verloren (Worte unseres Vaters, Instruktion, 8-XII-1941, Nr. 74).

58        Unser Vater lädt uns ein, das Beispiel im Gehorsam zu betrchten, das uns die Allerseligste Jungfrau gegeben hat: In Maria gibt es keine Attitüde wie bei den törichten Jungfrauen, die zwar gehorchen, aber auf eine dumme Weise. Unsere liebe Frau hört aufmerksam zu, was Gott will, sie erwägt in ihrem Herzen, was sie nicht versteht, ud sie fragt, was sie nicht weiß. Dann ergibt sie sich ganz in die Erfüllung des Willens Gottes: Siehe, ich bin die Magd des herrn; mir geschehe, wie er gesagt hat (Lk 1,38). Seht ihr, wie wunderbar das ist? Die heilige María, die uns Vorbild in all unserem Verhalten ist, lehrt uns , dass der Dienst an Gott keine Kriecherei ist, dass er das Gewissen nicht unterdrückt: Es bewegt uns im Innersten, die Freiheit der Kinder Gottes zu entdecken (vgl. Röm VIII, 21) (Christus begegnen, Nr. 173).

 

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Man  muss sehr auf die Pünktlichkeit achten, auf den festgesetzten Tag und die bestimmte Stunde.59 Auf diese Weise lebt man die Ordnung in allem besser, und beide können sich vorbereiten. Es ist nicht unpassend – im Gegenteil! – dass derjenige, der die Aussprache entgegennimmt, mit Feinfühligkeit daran erinnert, um zu verhindern, dass es zu einem Aufschub kommt. Ein Hinauszögern der Aussprche kann schon ein Zeichen dafür sein, dass man nicht mit Heroismus kämpft.

Normalerweise muss man ruhige, förderliche Stunden suchen, die von den Umständen abhängen: Wenn man die Aussprache beispielsweise für das Ende des Tages aufhebt, kann es sein, dass man aufgrund der Erschöpfung nicht mehr in der besten Verfassung ist; auch darf der Termin, wie es nur natürlich ist, bei keinem von den beiden die berufliche Arbeit stören. Je nach Möglichkeit, und immer mir Flexibilität, wird man die Aussprache nicht in der Studierzeit am Nachmittag oder in der Nachtzeit machen.

Die vorher erwähnten Kriterien sollen kein Hindernis darstellen, sie, wenn es notwendig sein sollte, in jedem Moment zu machen. Es kann Zeiten geben, in denen man sie öfter machen soll oder will, oder unter bestimmten Umständen schon vor dem ausgemachten Tag; da die Aussprache ein spontanes Gespräch ist, ist es logisch, dass man sich danach sehnt, wenn es eine Sorge gibt, eine besondere Freude etc.: Derjenige, der die Aussprache entgegennimmt, wird in jedem Moment bereit sein mit dem zu sprechen, der ihn darum bittet, oder wird auf Anfrage die Initiative ergreifen.

Ein anderes wichtiges Charakteristikum ist die Kürze. Auch wenn die konkrete Dauer von vielen Faktoren abhängt, werden im Normalfall, wenn  man gut vorbereitet ist, zehn oder fünzehn Minuten ausreichend sein, um mit Aufrichtigkeit und Tiefgang die nötigen Punkte durchzugehen. Nur Ausnahmesweise wird es angbracht sein, mewhr Zeit aufzuwenden. Diese Gespräche ohne Notwendigkeit auszudienen, wäre Zeitverschwendung und ein Zeichen des Magels an Einfachheit,

59 Gewöhnlich darf man niemanden empfangen, wenn  man bettlägerig ist: Es ist vorzuziehen, dass in diesen Fällen der Betroffene mit Einveständnis des Direktors mit einer anderen Person spricht. Freilich ist sie nicht zu unterlassen, wenn derjenige, der sie macht, bettlägerig ist: sie wiurd ihm außerdem helfen, die Krankheit mit mehr apostolischem Geist zu ertragen.

 

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Weil man die Fragen nicht direkt angeht, oder es ist ein Zeichen, wenn man über Dinge spricht, die diesem wunderbaren Mittel der geistlichen Leitung fremd sind.

Um in der Praxis zu erreichen, dass die Gespräche kurz sind, ist es hilfreich einige kleine Details zu beachten: beispielsweise die Person ohne unnötige Unterbrechungen ausreden zu lassen; dafür Sorge zu tragen, dass keine Themen angeschnitten werden, die wenig mit geistlichen Fragen zu tun haben; die Gespräche nicht aus Zersteuung oder persönlicher Sympathie in die Länge ziehen etc.

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