Heraldo: Die große Enttäuschung

4. Juli 2008

Vor einigen Tagen veröffentlichte Agustina López de los Mozos in Opuslibros einen Artikel, den ich nur unterstreichen kann. Er ließ mich an eine dieser entsetzlichen „Schurkereien“ denken, die für mich die grundlegende war, die Falle, in der ich für Jahrzehnte gefangen war, und nach so vielen Jahren erfüllt es mich immer noch mit Erstaunen, wie weit man im Namen des Glaubens gehen kann. Ich beziehe mich dabei auf das tiefe  Gefühl geliebt zu werden, das das Opus Dei in mir geweckt hat, zusammen mit der abgedroschenen Heiligkeit von Msgr. Escrivá und die Wahrheit seiner göttlichen Mission in der Geschichte.

Wenn ich nach dem Grund gefragt werden, warum ich das Opus Dei verlassen habe, pflege ich zu sagen, dass ich mich getäuscht sah, das heißt, es war ein großer Kummer aus Enttäuschung. Die Direktoren, die meinen Fall kannten, würden naturgemäß eine andere Erklärung abgeben. Der Leser, der in die Geheimnisse des Werks eingeweiht ist, wird bemerken , dass beide Antworten miteinander vereinbar sind, wenn auch unter unterschiedlichen Gesichtspunkten. Ich werde versuchen zu beschreiben, worin  die Täuschung besteht, von der ich schreibe, auch wenn ich dabei riskiere, sie durch Ausdrücke zu trivialisieren, die niemals ihre Tiefe erreichen. Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei dem, was ich hier beschreibe, um meine persönlichen Erfahrungen handelt,  ich hätte nie daran gedacht, dass ich einmal einer von denen sein könnte, die das Opus Dei verließen.

Ich kannte das Werk seit meiner Kindheit. Ich war kaum 13 Jahre alt und schrieb den Brief an den Gründen mit etwas mehr als 14 Monaten. Mein Leben war damals eine Epoche der Konfusion, einerseits wegen der natürlichen Krise der Adoleszenz, weil kein Vater früh gestorben war, und aufgrund meines Temperaments. Meine Familie fiel auseinander, als ein Großteil meiner Brüder älter wurde und meine Mutter alle Hände voll zu tun hatte, eine Familie mit sechs Kindern zu ernähren und zu erziehen. Ohne es zu wissen, suchte ich offenkundig eine Vaterfigur, die stak und herzlich zugleich war, und ich glaubte sie in der Person von Msgr. Escrivá gefunden zu haben.

Der Vater erfüllte bald mein Herz. Inspiriert von den zahllosen herzlichen Phrasen, mit denen er sich in seinen Schriften an seine Kinder wandte, und in den berühmten Filmen, die damals aufkamen, als im um die Aufnahme bat, machte seine Persönlichkeit einen großen Eindruck auf mich. . Ich verliebte mich in den Vater, und mein Leben richtete sich nach ihm aus. Als ich gelernt hatte, meine Kindschaft rational zu analysieren, merkte ich, dass ich mich neu definierte, nämlich „als Kind des Vaters“. Nicht nur meine Kindschaft im Werk und die Brüderlichkeit gegenüber den übrigen Mitgliedern erschienen mir Konsequenzen dieser ersten, starken und frohen Beziehung mit ihm, sondern sie bestimmte meine ganze Existenz. „Meine Kinder, wie sehr wünschte ich, den ganzen Tag bei euch zu sein, und ein wenig von meinem Herzen in eure Herzen zu verwandeln. Ich weiß, dass ich guten Wein habt; ich möchte euren und meinen Wein verbessern“. Es waren Worte aus Crónica, die ich wenige Monate, nachdem ich gepfiffen hatte, las, die meinem jungen und sensiblen Herzen Flügel verliehen, das sich nach einer echten Liebe sehnte. Ich glaubte das, so wie ich glaube, dass meine Mutter meine Mutter ist, ohne Schwanken und ohne den leisesten Anflug eines Zweifels.

Während der ersten Wochen meiner Berufung sprach der Direktor des Zentrums – der ebenso wenig beim Werk blieb – viele Stunden über das erstaunliche Leben des Vaters zu mir, vor allem mit der Absicht, meine Beharrlichkeit und die Liebe zu meiner beginnenden Berufung zu stärken. Seine Persönlichkeit trat wie eine Riesengestalt in mein Leben. Zu seiner Liebe zu uns kam seine unglaubliche Heiligkeit und seine Nähe zum Herrn und zu seiner heiligsten Mutter. Damals erfuhr ich, wenn auch völlig verzerrt, den Vorfall mit der Rose von Rialp: das Kind, in den Armen der Jungfrau, gab ihr eine Rose, genau wie auf dem Bild der Mater pulchrae dilectionis vom Campus der Universität von Navarra. Ich wusste auch, dass Don Alvaro ihn manchmal beim Öffnen der Türe sah, wie er auf dem Bett saß und seinen Kopf an die Schulter der Jungfrau lehnte. Und so gab es noch andere Falschheiten, die als Instrument der Verführung dienten.

Aber das Schönste und Überzeugendste an diesen großen Heiligen war, dass er mich mit dem Herzen eines Vaters und einer Mutter liebte. Er liebte mich mehr als meine Mutter, wie er zu sagen pflegte. Und das war eine unermessliche, eine unverdiente Gnade. Ich fühlte von da an, in der Tiefe meines Herzens, dass ich ein Auserwählter Gottes war: vocavit vos ante mundi constitutionem, ut essemus sacti en inmaculati in conspectu eius. Ich fühlte tausende Male, dass mein Herz und mein Hirn jauchzten beim Gedanken, hier die Liebe Gottes zu berühren, die greifbar geworden war in der Herzlichkeit des Vaters und meiner schönen Mutter, des Werkes, denen eine einzigartige und unverwechselbare Sendung in der Welt anvertraut war. Der Vater war viel mehr als ein einfacher Papa.

Die Jahre vergingen. Zuerst schien es, als müsste man nur das umsetzen, was man am Anfang der Berufung gelernt hat. Die ganze „Bildungsarbeit“ prägte mir ein, dass ich ein guter Sohn eines so guten Vaters sein musste, um in meinem Herzen nicht mehr zu haben und nicht mehr haben zu wollen als die Überzeugung, dass ich ein auserwähltes Kind Gottes sei. Meine leibliche Familie rückte nicht nur an die zweite Stelle, sondern ich habe meine Geschwister und meine Mutter fast aus den Augen verloren und sie erschienen mir bemitleidenswert. Mein Kontakt zu ihnen reduzierte sich auf ein  Telefonat im Monat und einen eiligen Besuch im Jahr. Im  Werk lehrt man ständig, mit einem ganzen theologischen Angebinde, dass die die Gotteskindschaft in der Sohnschaft gegenüber dem Vater und dem Werk konkretisieren und erweisen muss.

Nur das allmähliche Aufgehen in den „internen Aufgaben“ nahm mir nach und nach, auf kaum merkliche Weise die Binde von den Augen, sehr langsam, aber schließlich wirkungsvoll. Viele Dinge im Werk erweisen sich als enttäuschend, aber das erscheint mir als das Kennzeichnendste. Ich nannte das die große Enttäuschung, die Enttäuschung einer Liebe. In einigen Beiträgen auf dieser Seite wird das Werk mit einer schlimmen Braut vergleichen, bei der man schlussendlich draufkommt, dass sie einen betrügt und dass sie uns in Wahrheit gar nicht liebt. Ich denke, , dass das Problem viel tiefer liegt. Das Werk behauptet nicht mehr und nicht weniger als eine Mutter zu sein und täuscht eine Liebe vor, die sie in Wahrheit nicht hat. Und Msgr. Escrivá – der erklärt hatte, dass er Vater und Mutter sei – hatte diesen Titel nicht verdient. Nach und nach entdeckte man unter dem Zuckerguss der Ansprachen an seine Kinder einen ganz normalen Menschen, der sich als Tyrann gebärdete, der jede Entscheidung, die er traf, und jeden Schritt den er setzte, sorgfältig zu dem einen Zweck erwogen hatte, dass sie seine Gründung absichern, und dass seine affektive und effektive Liebe zu jedem einzelnen Mitglied in Wirklichkeit nur kalte Berechnung war. So ist es wirklich, denn im Mythos, der Verkaufstechnik des Werkes, ist der Vater wirklich der Vater jedes einzelnen. Es kann unmöglich scheinen, was ich behaupte. Zu so etwas benötigt man ein außerordentliches Maß an Heuchelei. So ist es allerdings nicht. Aber vor  diesem ganzen machiavellistischen Verhalten kommt die Überzeugung, dass das Werk der Wille Gottes sei, dass sie einen direkten Draht zu Gott hätten, das die Kirche untergeht, wenn sich das Werk nicht entfaltet, und mit ihr die gesamte Menschheit; die Überzeugung, dass die Erlösung selbst den Menschen für alle Zukunft nicht erreichen wird ohne sie, und dass die Kirche zu einer unfruchtbaren Mittelmäßigkeit verurteilt wäre. Andererseits ist die Liebe jedes einzelnen ein Ideal, und es ist möglich und sogar angebracht sein Verhalten nach diesem Ideal auszurichten. Wenn das heutzutage nicht mehr stimmt, aufgrund der menschlichen Beschränktheit, dann ist das eben so. Und das Entscheidende ist, dass das Werk, als das Wirken Gottes in der Welt, über jedem einzelnen steht. Deshalb muss der Prälat des Opus Dei vor seinen Söhnen, um einen Ausdruck Kants zu gebrauchen, als „transzendentales Ich“  erscheinen, als die Liebe Gottes auf Erden selbst, die alles persönliche Ungenügen transzendiert. Was man nicht sein kann, muss man zumindest scheinen.

Die erlogene Liebe ist wohlbekannt in der Geschichte des menschlichen Herzens. Aber um uns mit einer Liebe zu identifizieren, die nicht weniger ist als die göttliche Liebe und mi der Liebe einer Mutter, kann  man nicht mit einer solchen Lösung rechnen. Und deshalb ist es möglich, dass jemand Jahrzehnte drinnen verbringt und versucht, das Unvereinbare vereinbar zu machen und das Unverständliche zu verstehen, ohne sich darüber klar zu werden, wo denn eigentlich das Problem liegt. Bis einem zum Schluss dann der Groschen fällt, dass man nicht nur nicht akzeptieren kann, sondern nicht einmal akzeptieren will, was einen aus allen Wolken fallen lässt. Das ist eine sehr grausame Wahrheit, wie das nicht für wagt zu halten, was man mit eigenen Augen sieht.

Es ist freilich sehr schwer und erschütternd, es anzunehmend, dass die Liebe eines Paares Lüge gewesen ist oder dass sie vorbei ist. Dennoch bedeutet diese Schwierigkeit nichts angesichts des Erschreckens, wenn man wahrnehmen muss, dass diese Liebe einer Mutter und eines Vaters, die die Liebe Gottes selbst gewesen sein musste und im Prälaten des Werkes personifiziert ist, eine Lüge gewesen ist; das sie nicht nur zu Ende gegangen ist, sondern dass sie niemals existiert hat. Darin liegt die große Enttäuschung, für die man keinen Trost finden kann. Ich lege großen Wert darauf, hier nicht zu übertreiben; aber ich will meine Stimme im Protest vor Gott ergeben angesichts eines so gewaltigen Betrugs. Die internen Aufgaben und /oder die persönliche Erfahrung konfrontieren einen mit dieser schmerzhaften Tatsache, bis die Überzeugung aus Liebe zerbricht.

Man ist sich allgemein darüber einig, dass das Besondere an der wahren Liebe ihre Bedingungslosigkeit ist. Tatsächlich, wenn man die Liebe zu Gott in einen Begriff fassen wollte, so wäre es die bedingungslose Liebe. Die Liebe eines Vater und einer Mutter sind da Näherungswerte, und der Kontrast ist sehr bitter, wenn man am Ende merkt, dass die Liebe des Vaters und des Werk dem Wesen nach sehr bedingt sind. Ein Mitglied des Werkes wird nach dem Maß seiner Entsprechung geliebt, seiner Unterwerfung und des Nutzens, den es bringt. In den Räumen des Örtlichen Rates wird über das Leben der Mitglieder mit der Kälte eines Chirurgen entschieden. Entscheidend ist, was der Institution nützt, das ist das einzige ausschlaggebende Kriterium. Die Mutter instrumentalisiert das Kind und saugte ihm das Blut aus, um selbst zu leben und seine Ausgaben zu decken. Diese Perversion tarnt sich damit, dass das Wohl des Kindes mit dem Wohl der Mutter identifiziert wird. Wenn das Kind versagt, wird es erbarmungslos ausgestoßen, abgetrieben. Aber es geht dabei nicht nur darum, die Mutter aus einer echten Gefahr zu retten, bei der es um ihr Leben ginge. Um die Abtreibung zu rechtfertigen, genügt es, dass die Bindung der Mutter an das Kind dem guten Ruf der Mutter schadet. „Der gute Name des Werks“, sein menschliches und kirchliches Prestige, ist ein beständiges Motiv umso vorzugehen, auf eine völlig widernatürliche Weise.

Eine solche Perversion kann es im Ernst nicht geben, denn das Werk ist weder ein Vater noch eine Mutter. Freilich, im Gewissen der Mitglieder des Werks bedeutet der Weggang aus der Prälatur nicht nur, dass man eine Institution verlässt, zu der man gehört. Die Auswirkungen davon betreffen die Tiefen der Seele, dass Innerste des menschlichen Herzens, die eigene persönliche Identität. Es ist nichts Besonderes, dass hier Schmerz und Zorn geäußert werden; es ist vielmehr bewundernswert, dass häufig das Verzeihen überwiegt. Logisch wäre es, wenn jemand den Glauben verliert, skeptisch wird nach dem Weggang aus dem Werk.

Meine verbissene Anhänglichkeit ans Werk steigerte sich durch eine Überzeugung, die vom hl. Pfarrer von Ars erzählt wird. Der Heilige unterlag einer teuflischen Versuchung, der ihm im Grund seines Herzens zuraunte, dass es Gott nicht hab. Unter solchen Umständen wären alle Opfer und Abtötungen überflüssig. Aber er gute Heilige sagte ihm, dass „auch wenn es Gott nicht gäbe, werde er es niemals bereuen, an die Liebe geglaubt zu haben”. Vor einigen Jahren entdeckte ich, dass mich diese Formel unverwundbar machte. Tatsächlich, was machte es, wenn es keinen Gott gäbe? und ich werde es niemals bereuen, dass ich an diese Liebe geglaubt habe: die bedingungslose Liebe, die Essenz der Liebe eines Vaters und einer Mutter, die nur zusammen mit Gott selbst existieren kann. Die reine Liebe, ohne eine Beimischung von Egoismus, die bedingungslose Hingabe. Wenn es einen Gott gibt, muss Gott so sein. Und wenn Gott nicht wo wäre, würde Gott mir nichts nützen, die Barmherzigkeit wäre ein leeres Wort, und das menschliche Leben wäre der Mühe nicht wert.

Das Werk eignet sich dieses Prestige, diese unnachahmliche Schönheit an, aber sie hat keinen Anteil daran. Wenn du versagst, fühlt es sich betrogen und wirft dich hinaus, und im besten Fall kommst du auf die Liste der unerwünschten Personen. Und wenn du ihnen nichts nützt, weist es dich ab und tut alles, dass du gehst. Aber außerdem, ohne dass du dir dessen bewusst wirst, . Das ist das Härteste, dass zeigt, dass die Liebe im Werk eine Lüge ist. Du musst so tun, als ob du es selber so wolltest, dass du nicht sagen kannst, dass es dich abstößt. Es ist eine kalte und berechnende Stiefmutter. Bis vor kurzem habe ich geglaubt, dass ich das Werk auf eigene Faust verlassen habe. Ich war blauäugig bis zum letzten Moment, und sogar noch danach. Man verfolgt eine unglaubliche Strategie, die bis zur Perfektion entwickelt ist. Wenn es ihm passend schien, zeigte es sich angesichts meiner Schwäche kalt und distanziert und versetzt mir so den „Gnadenstoß“. Es machte sich über mich lustig, wenn ich über meine Liebe sprach, und es machte sich wieder lustig, wenn ich alle Schuld auf mich genommen hatte, und das Werk bleib dabei stets die gute Mutter, die ich jetzt im Stich gelassen hatte. Ich erinnere mich gut an jene letzten Gespräche, in denen man mich im Namen des Vaters bat, weiterzumachen. Ich bin mir vollkommen sicher, dass diese Worte nicht aufrichtig gemeint waren, und dass sie sich daran weideten und ihren inneren Frieden nicht verloren, als sie mich kraftlos sahen. De profundis clamavi a te Domine. Das Gedicht drückt diese Gefühle besser aus:

In meinen Händen löse ich ein Gewitter aus

ein Gewitter von Steinen, Blitzen, grellen Äxten

durstig nach Katastrophen, und hungrig.

Ich will die Erde mit meinen Zähnen aufkratzen,

will die Erde Stück für Stück zur Seite schieben

mit trockenen und heißen Bissen.

Miguel Hernández

Über Msgr.  Escrivá, seine zahllosen schönen Worte über die Liebe zu seinen Kindern, so sind die Texte und Filme eine Sache, und die andere ist die, wie es in seinem Herzen aussah und was der Grund für seinen modus operandi war. der Leitung seines Werkes. Die Zeugnisse vieler Ehemaliger, wie Carmen Tapia, sind beredt. Seine Art, in den Beisammenseins zu reden, seine Worte, seine Gesten, seine überströmende „Heiligkeit“ haben mehr mit Verkaufstechnik als mit echten Gefühlen zu tun. Fisac, der ihn seit seiner Jugend gut kannte, im engsten Kreis, wo man sich nur schwer verstellen kann, klagte über seine theatralische Heuchelei. Ich hatte die Gelegenheit, Msgr. Alvaro del Portillo und Msgr. Echevarría in diesen kleinen Zirkeln nahe zu sein, in denen man notwendigerweise spontaner und authentischer handelt. Meine Überraschung war sehr groß, denn was ich erlebte, hatte nichts mit dem zu tun, was man mir erzählt hatte. Zeichen einer standardisierten, formalen Liebe gegenüber Kindern, die er erst vor kurzem kennengelernt hatte, das Ansehen der Person, Missachtung der Frau, Missachtung von Kindern mit „Problemen“… Der Form nach lief freilich alles perfekt ab. Ich möchte auch nicht sagen, dass alles reines Marketing war; aber nichts kann unter dem Gesichtspunkt des Menschlichen, allzu Menschlichen verstanden werden. Der Kaufmann versucht wenigstens nicht glauben zu machen, dass man durch ihn in den Himmel kommt; ihm genügt es, wenn wir seinen Spielregeln folgen, und wir akzeptieren seine halbe Lüge mit komplizenhafter Zustimmung. Escrivá und sein Werk kommen umgekehrt immer damit durch.

Ich könnte eine Anekdote erzählen, deren Bedeutung mich geprägt hat und einen Meilenstein auf diesem langen und beschwerlichen Weg der Ernüchterung bedeutete. Es gab einen Numerarier, der erst vor kurzem die Fidelitas gemacht hatte, und der wegen einer menschlichen Liebe an seiner Berufung zweifelte. Es war ein ordentlicher und froher Junge, einen von denen, die die Anforderungen erfüllen. Der Prälat kam in die Region, und ich bat darum, dass dieser Junge für einige wenige Minuten mit ihm sprechen könne, in der Hoffnung, dass er aus diesem Gespräch die Kraft schöpfen könne, beharrlich zu bleiben. Da ich Direktor war, bat ich um eine Gelegenheit, um die Berufung dieses Jungen zu retten, und in meiner Blauäugigkeit hielt ich es für selbstverständlich, dass man es gewährte. Es kam mir nicht in den Sinn, dass der Vater, der jeden einzelnen seiner Söhne so liebte, als hätte er nicht mehr als diesen einen, und der und mehr liebte als unsere Mütter, sich weigern könnte oder dass sie nein sagen könnte. Wir groß war meine Enttäuschung, ich war angesichts dieser Weigerung wie vor den Kopf gestoßen. Natürlich gab man uns dazu auch keinerlei Erklärung.

Am Ende möchte ich nur noch sagen, dass ich weiterhin an die Liebe glaube, und ich werde es niemals bereuen, an Ihn geglaubt zu haben. Deshalb kann ich mit einem Lächeln auf meine Vergangenheit sehen. Danach  wandte ich dem Opus Dei den Rücken und ging, indem ich mich den Armen der göttlichen Barmherzigkeit überließ. Für mich ist die große Lehre aus der Geschichte, dass es immer eine Lüge ist, Gott, der die Liebe ist, mit etwas Irdischem zu verwechseln. Das Opus Dei gibt vor, in seinem eigenen Namen zu handeln. Aber wenn es Gott gibt, so ist er im Unaussprechlichen, im Mysterium, im Geist, der weht, wo er will. Das ist meiner Meinung nach das, was die Kirche im Wesentlichen hüten und eifersüchtig bewahren muss, damit sie nicht von den Gründungen angeblich Erleuchteter verdrängt wird.

Heraldo