Der Schwindel im Opus Dei

 

Gervasio, 12. Juli 2010

 

Vergangene Woche zeigte ich in meiner Schrift über den neuen Katechismus im Werk (Nuevo catecismo de la obra), dass der Schwindel Teil des Geistes des Opus Dei ist. Ich möchte diesen Gedanken in zwei besonders charakteristischen Ausprägungen zeigen: der dissimulatio, also dem Verbergen der Wahrheit über Dinge, die bekanntgegeben werden müssen, und der simulatio, der Behauptung von etwas, das objektiv nicht stimmt.

 

          Das erste, was mir hierzu einfällt, ist die Forderung des Generalpräsidenten des Opus Dei, vor einem von seiner Hand geschriebenen Auftrag auf die Knie zu fallen und zu sprechen: „Das kommt von Gott”.

 

          Der Ausdruck dazu, Proskynesis, ist griechisch; die Sache kommt aus dem Persischen. Dieser Brauch wurde üblich bei der Verehrung der römischen Kaiser und wurde in großem Maß Ursache für die Verfolgung der Christen, die sich weigerten, ihm auf diese Weise die Ehre zu geben. Die entsprechende Zeremonie überdauerte die ersten Jahrhunderte der christlichen Kaiser, wie Konstantin, Konstantius, Konstans etc., Bei ihnen galt schließlich auch die adoratio purpurae, des Kuss des kaiserlichen Purpurs, als Privileg. Schade, dass ich nie eine Proskynesis machen durfte …

           Es ist üblich, die Normen des Kanonischen Rechts in zwei Kategorien einzuteilen: in die Normen des göttlichen und in die des kirchlichen Rechts. Die ersteren kommen von Gott; die letzteren von einer kirchlichen Autorität. Diese letzteren können abgeschafft und abgeändert werden, es kann von ihnen dispensiert werden. Viele von euch werden sich an den Katechismus des Pater Astete erinnern, in denen zwischen den Geboten des Gesetzes Gottes und den Geboten der Kirche unterschieden wird.

 

          Die Gebote, denen gegenüber der Generalpräsident des Opus Dei die Proskynesis fordert, sind nicht Gebote des Gesetzes Gottes, sondern Gebote, die von ihm selbst kommen. Wie Marcus Tank in seinem Essay "Das Opus Dei - ein völliger Betrug" angemerkt hat, kann man aus der Tatsache, dass etwas im Opus Dei mit Nachdruck behauptet wird — uns interessieren keine Statistiken, von hundert Seelen interessieren uns hundert, wir sind gewöhnliche Christen etc.,— unfehlbar schließen, dass das Gegenteil stimmt. Der Generalpräsident des Opus Dei ließ seine Untergebenen sagen, „Das hier kommt von Gott“, weil völlig klar war, dass es nicht von Gott kam. Wer diese Art Lügen nicht akzeptiert, wird damit abgestempelt, dass er eine „wenig übernatürliche“ Sicht hat.

 

          Das Gleiche macht — darüber kann es keinen Zweifel geben — das Opus Dei als Institution. Den göttlichen Ursprung des Opus Dei betonen — kein Mensch hat das Opus erfunden — hatte das gleiche oder noch ein besseres Ergebnis wie die Proskynesis.

 

          Ich hörte St. Josemaría sagen, dass die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg den japanischen Kaiser zwangen, feierlich zu erklären, dass er kein Gott sei. 

          — Das ist das Beste, was die Nordamerikaner je gemacht haben, versicherte er.

          Man muss weder Nord- noch Südamerikaner sein, um hinsichtlich der Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei zum gleichen Schluss zu kommen.

           Dieser angeblich „göttliche Charakter“ der Normen des kirchlichen Rechts, sofern sie vom Generalpräsidenten des Opus Dei kommen — und die entsprechende Konstruktion, die jetzt Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei heißt — bildet eine Art simulatio mit dem Ziel der Idolatrie. Warum sollte man jemanden zu einer solchen Geste gegenüber der Büste eines Kaisers oder einer Anweisung Escrivás verpflichten, um einen göttlichen Ursprung zu suggerieren, den beide bei Licht besehen nicht haben können?

 

          Der autoritäre Charakter des Gründers brachte ihn nicht nur dazu, die verlogene Zeremonie der Prokynesis zu verlangen eine andere Gewohnheit bestand darin, ihn auf den Knien zu begrüßen und ihm die Hand zu küssen —, sondern auch darin, hierarchische und spirituelle Leitung zu vermischen. Oráculo schreibt darüber in Die Freiheit der Gewissen im Opus Dei. Erst kürzlich hat der Heilige Stuhl eine Anzeige zahleicher ehemaliger Mitglieder entgegen genommen und den Prälaten des Opus Dei um Aufklärung hierzu gebeten. Wenn ich richtig informiert bin, stieg der Prälat ganz tief ins Fettnäpfchen, gab zu, dass eine solche Praxis existierte, aber dass sie nichtsdestoweniger eben zum Gründungscharisma gehörte.

 

          — Spanien und ich sind eben so, gnädige Frau.

           Das heißt, es handelt sich um keinen Missbrauch, sondern um das Gründungs­charisma. Das Problem ist allerdings: Auch wenn Javi sich sein Solideo aufsetzt und die lila Socken anzieht und die römische Kurie anherrscht, anfleht oder sie hypnotisiert, sie sollen sich doch endlich klar machen, was im „Vademecum sobre el modo de llevar charlas fraternas/Handbuch über die Art, Aussprachen zu führen“ steht und dann ausrufen: „Das kommt von Gott!“, dürfte er damit nicht das gewünschte Resultat erzielen. Eher würde er damit nur demonstrieren, dass der Defekt der Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei strukturell bedingt ist und dass ihr Prälat das Vademecum feierlich verbrennen und die Asche am Grab des Gründers niederlegen kann. In der Kurie haben sie nämlich mittlerweile die Gründer, Visionäre, heiligen  Männer, frommen Frauen und Gerüche der Heiligkeit satt. Auch dort haben sie die Unschuld verloren.

           Das Ideal absoluter Gewalt besteht darin, zugleich die Legislative, die Exekutive und die Jurisdiktion auszuüben, und, wenn es leicht geht, die spirituelle und die Leitungsgewalt, oder vielleicht gar politische und kirchliche Macht. Es besteht kein Zweifel, je mehr Macht man auf sich vereinigt, desto besser kann man den Willen Gottes erfüllen, auch um den Preis, dass die Institution triumphiert und die betroffenen Personen auf der Strecke bleiben.

 

          Wie kann man glauben machen, dass Gott den Gründer des Opus Dei inspiriert habe? Man kann die Göttlichkeit des Werkes bindend behaupten indem man von den Getreuen die Prokynesis einfordert, oder man verfolgt die gegensätzliche Taktik: Man behauptet, dass die Beweise für den göttlichen Ursprung des Werkes aus Bescheidenheit und Klugheit unterdrückt wurden. Sie haben uns nichts über die vielen Wunder erzählt, von denen sie Andeutungen gemacht haben, damit wir nicht das Außerordentliche und Sensationelle in unserem Leben suchen, damit unser Glaube reiner sei. So sagte der Gründer:

 

          — Die Wunder des Evangeliums reichen mir vollauf.

 

Woraufhin einer der ersten im Werk gesagt haben soll:

          — Die aus dem Evangelium brauche ich gar nicht; die anderen schon.

 

Eines der Wunder bestand darin, dass der Vater seinen Sterbetag „wusste“. Das erfuhr freilich nicht jedes beliebige Mitglied des Opus Dei, sondern nur einige wenige aus dem Innersten Kreis; aber wir alle „wussten“, dass einige etwas „wissen“, was wir nicht „wussten“. So verkorkst war das; man verirrt sich im Labyrinth der Täuschungen. Ich erinnere mich, wie St. Josemaria bei mehr als einer Gelegenheit zu den Studenten im Collegium Romanum gesagt hat:

 — Für mich wird es Nacht. Ich kann jeden Augenblick sterben. Ich habe über ein bestimmtes Datum gesprochen; achtet nicht darauf. Ich könnte in jedem Moment sterben. Es ist besser so. Euer Glaube an das Werk muss nicht von Dingen wie diesen abhängen.

 

          Noch geheimnisvoller und verborgener ist das Wissen darum, wieso sein Tod nicht zum angekündigten Zeitpunkt eingetreten ist. Das wäre der Höhepunkt opusdeistischer Esoterik.

 

          Diese Geheimnisse lassen den gnostischen Charakter des Opus Dei deutlich hervortreten, den Heraldo bei mehr als einer Gelegenheit unterstrichen hat. Das Opus Dei ist so erhaben und abgehoben, dass  es nur einige Eingeweihte verstehen können. Nur der Vater und Don Alvaro wussten, was das Opus Dei wirklich war. Wir anderen erfuhren nicht einmal die Hälfte. 

Ich erinnere mich, dass Pedro Lombardía, ein renommierter Kirchenrechtler, auf die Frage nach der juridischen Lösung im Opus Dei zur Antwort gab, an der er am Rande mitwirkte — mehr um eine Nebelwand aufzuziehen, um nicht von weiteren Fragen belästigt zu werden, als aus anderen Gründen:

           — Nur der Vater und Don Alvaro haben wirklich und tief verstanden, was das Opus Dei und seine juridische Lösung bedeutet.

           Und er fügte hinzu:

 

          — Auch Johannes Paul II. und ein anderer Pole (dessen Namen er nicht nannte, den er meinte niemand bestimmten); es war eine reine Nebelwand.

 

          Ich glaube mich erinnern zu können, dass am Beginn der sechziger Jahre, noch vor dem Konzil, der Vater die damaligen Mitglieder des Opus Dei um viele Abtötungen und Gebete um ein besonderes Anliegen bat, das auch geheim und unbekannt blieb. Der Vater ersuchte uns allerdings darum, dafür zu beten und uns dafür abzutöten. Er erzählte uns (sinngemäß) die folgende erbauliche Geschichte, dass ein Assoziierter — er ließ es immer einen Assoziierten sein, wenn jemand mit guter Absicht eine Dummheit gemacht hatte — sich bis zum Äußersten das Pinkeln verkniffen habe, um es für das besondere Anliegen aufzuopfern.

 

          Ich ahnte es von Anfang an: Wenn ich alle lange Zeit beten und sich abtöten lasse, für ein Anliegen, das sie nicht kennen, dann nehmen sie das, was anschließend herauskommt, für das Ergebnis ihrer Gebete und ihrer Abtötungen. Man pflegt das nicht zu schätzen, was wenig gekostet hat. So war auch garantiert, dass die „endgültige juridische Lösung — es ist zu bezweifeln, dass sie endgültig war — mit Begeisterung angenommen werden würde. So haben wir Mitglieder des Opus Dei es auch ohne Murren hingenommen, dass einige Gelübde, deren Bedeutung wir verstanden hatten, durch zivile Verträge mit zivilem Charakter ersetzt wurden. Kanon 296 spricht davon, dass in den Statuten jeder  Prälatur die grundsätzlichen Rechte und Pflichten der Laien festgelegt werden müssen, die in ihr mitarbeiten. Da die Statuten des Opus Dei  Teil des Betriebsgeheimnisses der Institution sind, zu denen wir keinen Zugang hatten, konnten wir auch nicht wissen, welches unsere Rechte und Pflichten waren und wozu wir uns verpflichtet haben. Es wäre offenbar fehlgeleitete Neugier gewesen, sich darum zu bekümmern. Es ist ein typisches Kennzeichen von Sekten, dass die, die die Institution verlassen haben, nachher mehr darüber wissen als vorher. Diese Erfahrung ist auch im Opus Dei allgemein. Erst dem, der aus dem Opus Dei ausscheidet, eröffnen sich die Möglichkeiten, die Statuten und eine Menge anderer Dinge mit Bezug auf das Werk kennenzulernen; diese Möglichkeit hatten sie nicht, als sie noch dabei waren.

 

           Es ist schwierig herauszuarbeiten, worin der Betrug rund um die Eingliederung in das Opus Dei besteht. Die Statuten schweigen sich darüber aus. Mir erscheinen vier Möglichkeiten plausibel: 1) Es wäre Kanon 125 anzuwenden, der von Verträgen handelt, bei denen die Eingliederung zwar gültig ist, aber durch einen Urteilsspruch aufgehoben werden kann; 2) es könnte auch Kanon 643 § 1, Nr. 4 anzuwenden sein, wo es nicht um Verträge, sondern um die Eingliederung von Novizen in ein religiöses Institut geht und in welchem Fall die Eingliederung ungültig ist; 3) man könnte das Zivilrecht bemühen, je nach der Nationalität des Betroffenen oder dem Ort, an dem der Vertrag abgeschlossen wurde, denn der in Hinblick auf Verträge verweist Kanon 1290 auf das Zivilrecht gemäß dem jeweiligen Territorium, und der Gründer hat gesagt, dass der Vertrag zur Eingliederung zivilrechtlichen Charakter habe; 4) möglichweise ist auch keine der erwähnten Rechtsnormen zusändig, sondern die Lex Romana Visigothorum ;)

 

          Die Vorgangsweise rund um die „juridische Lösung“ für das Opus Dei war darauf angelegt, dass sich die Mitglieder nicht genau dafür interessieren, worum es im Detail geht und dass ihr Verstand eine beständige Proskynesis vollzieht; nur so kann man die an sich unglaubliche Geschichte von Johannes Paul II. und dem unbekannten anderen Polen verstehen. Wir anderen mussten unkritisch das Ergebnis abwarten, das in einigen hastig überarbeiteten Bestimmungen der Statuten bestand — man musste sie rasch an den neuen Codex anpassen — und das geschah durch ein kleines und wenig qualifiziertes Team. Einige Bestimmungen waren dann auch schwer vereinbar mit dem neuen Codex und seinen Vorschriften zu Personalprälaturen, aber auch mit einigen grundsätzlichen Konzeptionen des Werkes.

 

          Die 5. Ausgabe des Katechismus des Werkes  von 1983 versichert in Nr. 212, dass die Bindung, die man mit der Eingliederung in die Prälatur eingeht und die das Werk mit seinen Mitgliedern verbindet, Vertragscharakter hat, denn so hat es unser Gründer immer gewünscht. Eine solche Versicherung ist ein reiner Ausdruck des Voluntarismus, denn die Tatsache, dass der Gründer etwas gewünscht hat, ist noch kein Beweis, dass etwas im Codex des Kirchenrechts oder auch in den Statuten des Werks von 1982 so formuliert ist — dort kommt dieser Ausdruck auch nicht vor. Es ist so weit gekommen, dass man es nicht in Zweifel ziehen kann, dass eine Tragbahre Vertragscharakter hat, wenn man sich dabei auf den Gründer berufen kann.

 

          Lesen wir Nr. 328 des genannten Katechismus: Wie müssen die Mitglieder des Werkes unsere Statuten ansehen? Unsere Statuten müssen als sicherer Weg der Heiligkeit für die Mitglieder angesehen werden. -

Diese Antwort könnte die Verwirrung nicht deutlicher ausdrücken, die zwischen der Organisation und dem Weg der Heiligkeit besteht, zwischen der spirituellen und der hierarchischen Leitung einer Institution. Die Statuten einer Personalprälatur oder einer Bischofskonferenz oder die Verfassung einer Diözese oder einer Stiftung können als Weg der Heiligkeit betrachtet werden, können die Heiligung der Mitglieder zum Ziel haben? Die Heiligkeit besteht nicht darin, dass die Leiter den Rechtsnormen entsprechend leiten — in diesem Fall entsprechend den Statuten — und die Geleiteten die empfangenen Hinweise annehmen; sie besteht nicht in einer Beziehung zwischen Leiter und Geleitetem, sondern zwischen der Person und Gott. Escrivá hat nicht mehr und nicht weniger behauptet, als dass er über die Art, heilig zu werden, Gesetze erstellen und sie exekutieren könne. Was für eine Unordnung! Herausgekommen ist eine Organisation, in der die Person zur Stütze der Institution wird, eine Struktur der Sünde, wie es Ruiz Retegui genannt hat.

 

          Aber ich will nicht vom Thema abkommen, sondern mich auf den Schwindel konzentrieren. Obwohl es viele Hinweise gibt, will ich mich auf die wichtigsten konzentrieren:

           Schwindel bei der Geschichte des Werkes.

Auf Opuslibros  (unserer spanischen Schwesternseite) wurden oft und oft Manipulationen bei der Geschichte des Werkes aufgezeigt. Die Gründungsbriefe, Instruktionen, das Tagebuch des Gründers und die übrigen internen Dokumente sind voll von Fälschungen, Anachronismen und generell von Versuchen, die Wahrheit zu vertuschen oder zu verändern. Ich will nicht ins Detail gehen, es würde zu weit führen.

 

          Solche Manipulationen geschehen in der Art, wie wir sie aus der internen Zeitschrift „Crónica” kennen, und großteils auch von denselben „Experten“. Man fügt bloß nicht hinzu, dass jede Ähnlicheit mit tatsächlichen Vorkommnissen auf reinem Zufall beruhen, weil es die Leser von Crónica bereits wissen und es überflüssig wäre. Wie in den Gründungsdokumenten wird gekürzt, hinzugefügt, neu formuliert, bis ein Text herauskommt, der mit der anfänglichen Redaktion nur mehr wenig zu tun hat.

           Ich erinnere mich an einen Nordamerikaner, der ziemlich verstört war, als er in Crónica einen Artikel über sein Land las. Zwei Städte — Chicago und Washington — waren verwechelt, und alles wirkte ziemlich wirr. In Pamplona gab es einen Korrespondenten, der mit ziemlichem Geschick die Geschichten zusammenstellte, die in Crónica erschienen. Man kann ihn als einen Vorläufer des „Random Shit Generator“ ansehen, wie ihn Atomito erfunden hat. Er produzierte Phrasen wie „vereint mit dem Heiligen Vater, mit der Freude der Kinder Gottes, erfüllen wir energisch die täglichen Aufgaben, indem wir uns Unserem Vater empfehlen, in aller Freiheit, weil wir es so wollen. Dann fügte er noch hinzu, dass Juan, Arturo und noch ein anderer Juan pfeifen sollen. Er gab uns dann auch noch denn Hinweis, dass alles das in Irabia geschehen sein soll, einem Gymnasium des Opus Dei in Pamplona. Die Mitarbeiter von Irabia waren glücklich, den Namen ihres korporativen Werk in Lettern gedruckt zu sehen, sie zerbrachen sich den Kopf, wer mit diesem Juan, Arturo und dem anderen Juan gemeint sein könnte, und vielleicht dankten sie auch Unserem Vater in ihren täglichen Aufgaben.

 

          Die letzte Beobachtung in Bezug auf historische Fälschungen bezieht sich auf nichts anderes als auf den 2. Oktober 1928. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Gründer nicht den berühmten Pater Sánchez zum geistlichen Leiter, sondern einen anderen Priester. Escrivá teilte ihm seine „Vision" mit, und sein Seelenführer von 1928 riet ihm, sich nicht darum zu kümmern. Also wechselte er den geistlichen Leiter und fand den Jesuitenpater Sánchez, der ihm die gewünschte Zustimmung gab. Das hat man uns verschwiegen.

 

          Der heilige Gründer sagte bei mehr als einer Gelegenheit:

 

          — Wenn man einmal die Geschichte des Werkes schreibt, so muss man sie auf den Knien schreiben, denn es ist die Geschichte der Barmherzigkeit des Herrn.

 

          Ich stelle mir vor, dass das einige bewährte und eingeübte Numerarier machen, die vor dem Computer niederknien und die Prokynesis vollführen. Die Prokynesis ist die Garantie dafür, dass gelogen wird.

         

            Schwindel bei der Heiligung der gewöhnlichen Arbeit. Die Idee der Heiligung der beruflichen Arbeit dient als  Fahne, um neue Numerarier anzulocken. Die Nr. 18 der Statuten besagt: Jeder katholische Laie kann die Aufnahme verlangen, nachdem er jedenfalls die Erlaubnis des örtlichen Direktors erhalten hat, wenn er außer dem Alter und den anderen erforderlichen Eigenschaften, über die in Nr. 20 abgehandelt wird, von rechter Absicht aufgrund einer göttlichen Berufung geleitet wird, entschlossen seine Heiligung durch die eigene Beschäftigung oder berufliche Arbeit, ohne dass dies deshalb seinen kanonischen Status ändert, und wenn er sich mit allen Kräften der Ausübung des Apostolats widmen will, gemäß den dem Opus Dei eigenen Zielen und Mitteln, und wenn er geeignet ist, die seinem Apostolat eigenen Lasten zu tragen und seine besonderen Aufgaben zu erfüllen. Aber der, der auf diese Weise eingefangen wurde, entdeckt bald, dass seine berufliche Arbeit durch die apstolischenWerke der Prälatur ersetzt wird. Denn Nr. 8 derselben Statuten sagt:  Numerarier nennt man jene Kleriker und Laien, die durch einen besonderen Ruf und eine besondere Gabe Gottes den apostolischen Zölibat einhalten (vgl. Matth. 19,11), die sich den besonderen apostolischen Unternehmungen der Prälatur mit allen Kräften und der größten persönlichen Verfügbarkeit widmen und gewöhnlich in Zentren des Opus Dei wohnen, um sich um jene apostolischen Unternehmungen anzunehmen und sich der Bildung der übrigen Gläubigen der Prälatur zu widmen. Die göttliche Berufung, die Heiligung durch die eigene berufliche Arbeit zu suchen, wird auf diese Weise eliminiert. Man pflegt diesen Betrug damit zu rechtfertigen, indem man behauptet, dass die Widmung gegenüber den Aufgaben der Prälatur eine berufliche Arbeit darstellt. Ehrlicher wäre es zu sagen: Wer sich kraft einer göttlichen Berufung bewegt fühlt, seine Heiligung durch die eigene Arbeit in der Welt zu suchen, kann nicht als Numerarier aufgenommen werden, denn das Typische eines Numerariers ist es, sich den internen Aufgaben der Prälatur zu widmen. 

 

          Anfangs war vorgesehen, dass sogar die Priester ihre berufliche Arbeit fortsetzen  sollen. Später hat man die Kriterien geändert und ihnen die berufliche Arbeit verboten. Das geschah zu Lebzeiten des Gründers. Später, zur Zeit von Don Alvaro und den neuen Statuten, wurde diese Entwicklung auf den Rest der Numerarier ausgedehnt. Erst waren es Berufstätige, Freiberufler — Ärzte, Ingenieure etc. — dann Funktionäre des Werkes, Zuarbeiter, Priester oder Leiter in verschiedenen Zentren, Delegationen, korporativen oder persönlichen Werken etc. Diejenigen, die nicht für die internen Aufgaben in Frage kommen — die Werke der Prälatur — lässt man in ihrer beruflichen Arbeit weitermachen, und niemand schert sich darum.

 

          Die anfängliche Grundidee bestand darin, dass einige Laien in verschiedenen Berufen arbeiteten und dass eine Institution sich darauf beschränkte, sie geistlich zu betreuen, aber es gab noch keine „eigenen Werke“, keine „Apostolate der Prälatur”. Es gab nur das Apostolat, das jeder in seinem Beruf ausübte. Das wurde geändert, und wir fühlen uns betrogen. Es ist möglich, dass der Vater und Don Alvaro besser als andere wissen, was das Opus Dei ist. Sie sind die Gründer. Aber warum haben sie uns betrogen? Warum? Gibt die Tatsache, Gründer zu sein, das Recht zu betrügen? Wer hat ihnen das Recht gegeben, uns als Versuchskaninchen zu missbrauchen?