Die Finanzen des Opus Dei

Versuch einer systematischen Aufarbeitung

 

Jacinto Choza, 23. August 2010


 

Jacinto Choza

 

0.- Einleitung. 1.- Ordentliche Einnahmen. 2.- Außerordentliche Einnahmen. 3.- Fundraising. 4.- Fundraising und Gebarung in verschiedenen Ländern. 5.- Fundraising und Gebarung in der zentralen Leitung 6.- Die Einnahmen - Näherungswerte. 7.- Die tatsächlichen Ausgaben - Näherungswerte. 8.- Fonds. Die Besitztümer des Opus Dei. Non profit-Organisationen, Stiftungen und Unternehmen. 9.- Unternehmen, mit denen das Opus Dei zusammenarbeitet. 10.- Unternehmen, mit denen die katholische Kirche zusammenarbeitet. 11.- Bedeutsame Episoden in der Finanzierung des Opus Dei. 12.- Die Ziele des Opus Dei. 13.- Zum Vergleich: die wirtschaftliche Organisation anderer Unternehmungen - ONCE, die Universität von Sevilla, der spanische Staat. 14.- Vorgangsweise zur Rückerstattung.

 

 

0.- Einleitung.

 

Nach der Veröffentlichung meines Beitrags Lo que queda del dia I und II (“Was vom Tage übrig blieb”)  bat mich Ana Azanza um eine vollständigere und systematische Zusammenfassung der Geschichte des Opus Dei, die nichts beschönigen und vieles von dem dem erklären helfen sollte, was wir erlebt haben, die dabei waren und gegangen sind. Im Augenblick habe ich aber nicht die Kraft und die Zeit für eine so umfangreiche Arbeit. Allerdings sehe ich mich in der Lage, aufgrund meiner bereits abgeschlossenen Recherchen aus dem Netz und von Beiträgen anderer, eine Arbeit über die Finanzen des Opus Dei vorzulegen. Sie ist alles andere als vollständig und kann lediglich als erster, aber systematisch angelegter Versuch verstanden werden, und ich möchte auch die Bitte um Beiträge äußern, die die vorliegenden Informationen ergänzen können. Allerdings wollte ich die Informationen, die bereits zur Verfügung stehen, nicht länger zurückhalten.

 

Heute, 2010, wenn die Regierungen der westlichen Staaten über eine größere Transparenz bei nationalen und internationalen Finanztransaktionen nachdenken, wäre auch ein guter Zeitpunkt, die Finanzgebarung multinationaler religiöser Gruppierungen wir der katholische Kirche und des Opus Dei neu zu überdenken – es wäre gut für sie und für alle Religionen. 

 

1.- Ordentliche Einnahmen.

 

In seinem Beitrag Las riquezas del opus (“Die Reichtümer des Opus”, 25.1.2010) stellt Dionisio eine Überschlagsrechnung zu den Beiträgen der Mitglieder an. Die Armut des Opus Dei basiert grundsätzlich auf der Autonomie jedes Mitgliedes, jedes Zentrums, jeder Delegation und Region und jeder Körperschaft, die sich nicht nur selbst erhalten, sondern 10% ihrer Einnahmen an den Zentralsitz abführen müssen. Die Zuschrift von E.B.E vom 17. August 2009 La matriz económica del Opus Dei liefert grundlegende Informationen über die Ordentliche Einnahmen des Werks, das sind wie folgt:

       

1.1.- Die Apportationen/Beiträge der Numerarier und Assoziierten

 

Die Numerarier und Assoziierten liefern monatlich ihre gesamten Einnahmen der Kasse ihres Zentrums ab. Sie erhalten im Gegenzug, was sie für ihre Lebensunterhalt brauchen; der Rest wird als Beitrag einbehalten. Üblicherweise erfolgten diese Überweisungen vom Girokonto der Zentren auf die der Delegationen und Kommissionen; heutzutage überweist jeder seinen Gehalt an ein bestimmtes korporatives Werk.

 

1.2.- Die Apportationen/Beiträge der SupernumerarierINNEN (üblicherweise in bar)

 

Die Beträge werden den Direktoren der Zentren monatlich bar in die Hand gegeben; diese leiten das Schwarzgeld an die Delegationen und Kommissionen weiter, von dort gelangt es an den Zentralsitz in Rom.

 

 

1.3.- Die Apportationen/Beiträge der Mitarbeiter

 

Hier sind alle Arten möglich: Barzahlung, Überweisungen, Kunstwerke, Juwelen Schwarzgeld mit und ohne Quittung.

 

2.- Außerordentliche Einnahmen

 

Die außerordentlichen Einnahmen können viel ergiebiger als die ordentlichen sein; das zeigt sich am Sitz der Regionalkommission in New York. Nachdem eine Fundraisingunternehmung für religiöse Zwecke beauftragt worden war, erhielt man nicht nur genügend Geld für diese Unternehmung, sondern konnte auch einige andere unterstützen.

 

 

2.1.- Zuwendungen

 

Abgesehen von den ordentlichen Einnahmen, also den Zuwendungen der NumerarierINNEN, Assoziierten, SupernumerarierINNEN, Mitarbeitern und Freunden sind Finanzierungs­kampagnen üblich, um Geld für den Bau von Einkehrhäusern, Privatschulen, Universitäten, Spitälern etc. zu lukrieren. Das Geld, das auf diese Weise eingenommen wird, ist nicht für den Unterhalt der Zentren des Werkes, korporativer oder persönlicher Werke gedacht, denn diese haben alle ihre autonomen Einnahmequellen und produzieren ihrerseits Überschüsse. Auf diese Weise wurden Einkehrhäuser wie Molinoviejo oder La Pililla geschaffen, Gymnasien  und Fortbildungseinrichtungen, die Universität von Navarra, die Wallfahrtskirche von Torreciudad etc., die alle mit ihren Fördervereinen und Patronaten rechnen können.

 

2.2.- Zuwendungen inter vivos

 

Viele Beiträge von Supernumerariern, Mitarbeitern und Freunden können als Zuwendungen inter vivos gelten, obwohl das in aller Regel vermieden wird, damit keine Steuern anfallen.

 

2.3.- Zuwendungen mortis causa, Erbschaften von Mitgliedern der Prälatur und anderen.

 

2.3.1. Auf diese Weise hat man Immobilien erworben, den Sitz der Delegation in Sevilla, das Einkehrhaus Valparaiso in Sevilla oder Solaviella in Asturien. So kam man auch zu den Liegenschaften für die „Escuelas Familiares Agrarias“, zu den Grundstücken für Zentren von Numerarier und Numerarierinnen und einige andere.

 

2.3.2. Besondere Erwähnung verdienen Erbschaften, die unter Druck,  Nötigung oder Erschleichung zustande gekommen sind; einige davon wurden erfolgreich bei zivilen Gerichten angefochten, so im Fall des Einkehrhauses Valparaiso in Sevilla.

2.3.3.   Die Zuwendungen mortis causa können auch in Bargeld bestehen, so wie die 60 Mio €, die Luis Valls Taberner, Präsident des Banco Popular und Numerarier des Opus Dei, der Prälatur vermacht hat.

 

2.4.- Offizielle Subventionen von staatlichen, regionalen und lokalen Stellen.

Korporative und persönliche Werke und ein guter Teil der Unternehmungen der Prälatur werden von offiziellen Stellen unterstützt; vgl. den Bericht von E.B.E vom 17. August 2009: “La matriz económica del Opus Dei

 

3.- Fundraising.

 

3.1.- Die Art und Weise, wie man Menschen zum Spenden motiviert, sind ganz unter­schied­lich. Das Motiv ist immer das Wohl der Kirche, ihre Bedürfnisse, die Ehre Gottes, der Kampf gegen die Feinde der Kirche etc. So bittet man etwa Supernumerarierinnen, Spenden für ein neues Zentrum in Afrika oder Kasachstan zu sammeln, wo es noch keine Monstranz gibt. Dabei spielt es keine Rolle, dass in Spanien Dutzende Zentren geschlossen wurden, alle mit einer großartigen liturgischen Ausstattung, und dass man ohnehin nicht weiß, was man mit diesen liturgischen Gefäßen machen soll.

Ein anderes Beispiel. Man bittet in Spanien SupernumerarierINNEN um Geld für ein theologisches Zentrum, damit Priesterkandidaten aus Afrika oder Südamerika dort studieren können, unbeschadet der Tatsache, dass jedes Land selbst für die Finanzierung der Studien seiner zukünftigen Priester aufkommt, die es nach Europa schickt, und dass jedem Seminaristen Stipendien zustehen. In Wahrheit bittet man nicht um das Geld, weil man es braucht, sondern weil man der Seele dessen, der gibt, damit einen Gefallen erweist, weil er sich durch sein Geschenk mit dem Werk und der Kirche Gottes verbindet, weil er Gottes überreiche Gnade empfängt und die Freude dessen verspürt, der gibt. 

 

3.2.- Die empfangenen Güter gehören niemals der Kirche.

 

Auch wenn die Leute glauben, dass das, was sie der Prälatur spenden, der Kirche zugute kommt, ist nur ein verschwindend geringer Prozentsatz dessen, was das Werk anschafft, Eigentum der Kirche. Die überwältigende Mehrheit gehört zivilrechtlichen Vereinen, die von Numerariern und Supernumerariern gebildet und den Leitungsgremien des Werkes kontrolliert werden. Kirchengüter sind Besitztümer kirchlicher Institutionen, die dem Heiligen Stuhl jährlich Rechenschaft über ihre Verwaltung legen müssen. Im Werk gelten nur jene Liegenschaften als kirchliche Güter, auf denen sich die Sitze der Regionalkommissionen befinden, das Seminar und wenige mehr.

 

Da es sich beim Besitz des Werkes um keine kirchlichen Güter handelt, sind sie auch nicht der Kontrolle des Heiligen Stuhls unterworfen und schulden diesem keinen Anteil. Kanon 1257 zeigt an, dass alle Güter, die juridischen Personen der Kirche gehören, kirchliche Güter sind und dass die Kanones 1259 und folgende auf sie anzuwenden seien. Obwohl sich das Opus Dei zur kirchlichen Hierarchie zählen möchte und dies für sich beansprucht, reklamiert es hier den Anspruch, als Privatperson zu handeln. Wenn es der Kirche „großzügige“ Almosen gibt, wie Escrivá sagte, dann nach Gutdünken und nicht aufgrund einer Verpflichtung.

4.- Fundraising und Gebarung in verschiedenen Ländern.

 

4.1.- Spanien

Aufsehenerregende Beispiele des Vermögenserwerbs können nachgelesen werden: Brian beschrieb, wie Funktionäre des Opus Dei an den Palast der Carmen Díaz Iraola gekommen sind, Rapelu berichtet dazu ergänzend einige Ungereimtheiten, ein Artikel aus „El mundo“ vom 25. März 2006 berichtet von den 60 Millionen € des Luis Valls Taberner.  

 

4.2.- USA

 

Zeugnis von Dennis Dubro

 

4.3.- Mexiko

Al Chile über Steuerschulden des Universidad Panamericana, Mexiko, und der angeschlossenen Wirtschaftsschule 

5.- Fundraising und Gebarung in der zentralen Leitung.

5.1.- Inkasso anlässlich von Besuchen beim Prälaten. Wer den Vater besucht, ist angehalten, eine „Aufmerksamkeit“ mitzubringen. Das ist kein großer Posten, es ist vielmehr lächerlich, aber es zeigt, wie man aus allem und jedem Kapital zu schlagen weiß.

5.2.- Einnahmen für die Priesterausbildung. Zwei Fonds der deutschen Bischofskonferenz, Adveniat und Misereor, haben große Beträge für die Ausbildung von Priestern aus der Dritten Welt zur Verfügung gestellt. Vor allem war es ein bedeutender Aspekt, im Vatikan zu Einfluss zu kommen, indem man eine Universität in Rom eröffnete. Mit Hilfe von CARS (Centro accademico Romano della Santa Croce) konnte die Pärlatur zur Zeit von Johannes Paul II. an viel Geld und Macht herankommen.

5.3.- Die Erlöse aus den ordentlichen Quellen, die noch am ehesten als legitime Einnahmen zu sehen sind, müssen seit 1982 als illegal angesehen, eine Bereicherung zu Lasten der zölibatären Mitglieder, von denen in den Statuten nirgendwo die Rede ist. Dieser Betrug ist schlimm, weil er mit Vorsatz geschieht. Die Institution hat folgerichtig die moralische Verpflichtung zur Wiedergutmachung. Es ist notwendig, dass das alle erfahren, und jedenfalls ist Álvaro del Portillo, dessen Seligsprechungsprozess in Gang ist, für diesen Betrug hauptverantwortlich.

Theroretisch gehen 10% dieser Einnahmen, die seit 1982 illegal sind, zusammen mit 10% aller übrigen Einnahmen an den Generalrat, wie E.B.E. am 17. August 2009 in La matriz económica delOpus Dei festgehalten hat. Abgesehen davon wandern 100% der direkten Zuwendungen an den Generalrat und an den Prälaten, an das Collegium Romanum, das Seminar Cavabianca und werden für die Heiligsprechungsprozesse ausgewendet; vgl. die Aufsätze Dejad todo bien atado en temas económicos al iros del Opus Dei.- Voliyo, Por si no quedó claro.

 

6.- Die Einnahmen - Näherungswerte

 

6.1.- Schätzung der Mitglieder der Prälatur in Spanien

 

6.2.- Schätzung der Einnahmen der Region Spanien

 

In seinem Aufsatz Las riquezas del opus (Das Vermögen des Opus, 25.1.2010) weist Dionisio auf Folgendes hin: „Nehmen wir an, dass es 20.000 Mitarbeiter gibt; wenn es mehr sind, um so besser für meine Berechnungen. Jetzt denke an deinen Beitrag und multipliziere ihn mit 20.000 für jeden Monat. Die Endsumme ist nicht übel”. Zum Beispiel ergibt 50 € x 20.000 = 1.000.000 € monatlich x 12 Monate = 12.000.000 € im Jahr.

 

Überschlagen wir, wie viele Supernumerarier es gibt. Sagen wir 60.000, und wenn es mehr sind, umso besser für meine Berechnungen. Dann erhöhst du die Zahl deines Beitrags ein wenig, ich nehme das Doppelte, und multiplizierst sie mit 60.000 für alle Monate des Jahres. Kommen interessante Zahlen heraus?” 100 € x 60.000 = 6.000.000 € x 12 Monate = 72.000.000. € im Jahr.

 

Aber warte, es fehlen noch die Numerarier und die Assoziierten. Sie geben ihren gesamten Gehalt ab; und wenn da noch irgendwo ein Grundstück verpachtet ist, dass sie zuhause mehr Geld abgeben können, um so besser. Und wenn ihnen die Eltern ein Auto kaufen, noch besser. Und wenn du von der Mama oder Oma noch irgendwelche Juwelen abräumen kannst, noch besser. Und wenn deine Eltern und Geschwister eine Kreuzfahrt machen, bittest du sie um das Geld, das sie für dich ausgegeben hätten, und das kommt auch in die Kassa. Und wenn du etwas vom Großvater erbst, noch besser. Und wenn du Autorenrechte hast, fein. Etc. Das ist deutlich mehr als die Beiträge eines Supernumerariers. Multipliziere sie mit der Zahl der Numerarier, die du dir vorstellen kannst, z. B. ein Drittel der Supernumerarier, und du kommst auf 216.000.000 € im Jahr.

In meinen letzten Jahren bei den Dunkelmännern war ich für die Finanzen meines Zentrums verantwortlich. Es war ein „Zentrum für Ältere“. Wir waren hier sieben Numerarier, betreuten um die 100 Supernumerarier und konnten mit noch einmal so vielen Mit­ar­bei­tern rechnen. Wenn  man die Kosten abzieht, so schickten wir jeden Monat einen Haufen Geld an die Regionalkommission. Der  budgetierte Jahresbeitrag an die Kommission lag bei 200.000 €”. Das heißt, die Regionalkommission  von Spanien kassiert jedes Jahr 300 Mio € brutto für netto, nur aus den normalen Einkünften.

 

Die offiziellen Erklärungen des Opus Dei über seine Einnahmen rechnen in anderen Maßstäben, wenn man mit den Kriterien von Dionisio nachmisst. Er schrieb am 3. März 2010, dass es in Spanien offenbar nur mehr 131 NumerarierINNEN gibt: „Die Angaben, die das Opus macht, sind einfach lächerlich. Beiträge der Gläubigen: 2.753.254 €. Das heißt, wenn wir annehmen, dass es in Spanien etwa 30.000 Numerarier und Supernumerarier gibt, dass jeder durchschnittlich 91€ 77 Cent im Jahr abgibr, das sind monatlich 7 € 65 Cent.

 

Meine Herren Supernumerarier, welches Gesicht macht euer Direktor, wenn ihr ihm 7 Euro im Monat hinlegt, oder meinetwegen 10? Vor einigen Wochen  informierte mich ein Freund, ein Exnumerarier: Er verdient 14-mal im Jahr 2.000 €; für einen Numerarier waren seine Einnahmen durchschnittlich. Einige Numerarier verdienten wesentlich mehr, andere weniger. Man könnte also überschlagen, dass die spanischen Numerarierinnen durchschnittlich 28.000  € im Jahr verdienen. Mein Freund kam zu dem Schluss, dass ein Numerarier ca. 25% seiner Einnahmen zum Leben braucht, dass dem Werk also 75% von den 28.000 € bleiben, das sind 21.000 € im Jahr. Nicht zu verachten.

 

Kehren wir zu den 2.753.254 € der angeblichen Gesamteinnahmen zurück. Wenn wir uns vorstellen, dass bei dieser Zahl die Apportationen der Supernumerarier noch nicht enthalten  sind, und teilen die Zahl durch 21.000, dann bekommen wir die mutmaßliche Anzahl der NumerarierINNEN in Spanien im Jahre 2005. Das ist aufregend: Es bleiben… 131. Leute, den Dunkelmännern geht es viel schlechter, als wir es uns vorstellen können. Im Jahr 2005 hatten sie nur mehr 131 NumerarierINNEN.

 

Al Chile  stellte in seinem Beitrag vom 13. November 2009 Berechnungen über den Erlös des Prälatur an und kommentiert die Berechnungen anderer. Er meint, dass die 2,8 Milliarden Dollar die John Allen angibt und die Drake am 2. Juni 2006 kommentiert, viel zu kurz gegriffen sind. Diese Angaben sind zu korrigieren; 60.000 Supernumerarier gibt es allenfalls insgesamt, da die Prälatur 80.000 Mitglieder hat; in Spanien sind es etwa 30.000 SupernumerarierINNEN und nicht ganz 10.000 NumerarierINNEN.

 

7.- Die tatsächlichen Ausgaben - Näherungswerte

In meinen Anmerkungen zum Beitrag von Dionisio habe ich die Vermutung geäußert, dass das Werk sein Geld der Kirche, dem Heiligen Stuhl zur Verfügung stellt. Haenobarbo schrieb mir daraufhin, dass das Opus Dei niemals Geld hergegeben habe, weder der Kirche noch dem Heiligen Stuhl, und er erzählte mir einige Episoden, die er selbst miterlebt hat, sodass ich an seinem Wort nicht zweifeln kann.

Das Werk gibt sein Geld nur für die Zentren aus, die korporativen Werke, für die StudentINNen in den Studienzentren und für die Priesterkandidaten. Aber nach dem Prinzip der Autarkie und dank der  außerordentlichen Einnahmen, der Finanzierungskampagnen etc. geht hervor, dass eben diese Sonderanstrengungen die laufenden Ausgaben decken dürften. Da die Thesen Haenobarbos glaubwürdig klingen, stellt sich folgende Frage. Wenn das Werk niemals etwas hergegeben hat und über ein  Vermögen von 2,8 Milliarden Dollar verfügt, müsste es in Villa Tevere und Cava Bianca reihenweise Kästen voller Bargeld geben. Hat hier jemand etwas davon gesehen? Und wenn nicht, wo könnte das Geld hingekommen sein?

 

7.1.- Ausgaben zur Imagepflege.

 

Die Nüchternheit, die von der Prälatur ständig gepredigt wird, steht in merkwürdigem Kontrast zu dem horrenden Aufwand, der auf den Reisen des Vaters in der ganzen Welt getrieben wird; was die Propaganda für die Institution betrifft, kann man etwa an den Auf­wand für den gerade im Entstehen begriffenen Film There be Dragons denken (21 Mio. €).

8.- Die Besitztümer des Opus Dei. Non Profit-Organisationen, Stiftungen und Unternehmen.

 

Die Masse der Unternehmungen, über die sie verfügen, geht von Hand zu Hand oder ist an Banken oder andere Finanzinstitute geknüpft. In der bereits erwähnten Schrift von E.B.E vom 17. August 2009, La matriz económica del Opus Dei, wird die Funktionsweise der Non-Profit-Organisationen und Stiftungen beschrieben, deren Eigentümer gewöhnlich Mitglieder der Prälatur als Aktionäre im eigenen Namen sind. Diese Eigentümer, Aktionäre und Präsidenten von Non-Profit-Organisationen und Stiftungen; sie zahlen Werkverträge und Miete für Immobilien, wenn sie das Werk verlassen oder sterben, gehen ihre Besitztümer an andere Personen des Werkes über, an Non-Profit-Organisationen, Patronate etc., sodass die Hand immer auf den Reichtümern bleibt.

 

 

 

9.- Unternehmen, mit denen das Opus Dei zusammenarbeitet.

 

Die Non-profit-Organisationen, GmbHs, Patronate etc., durch die das meiste Geld der Prälatur zirkuliert, waren die Stiftung Netherhall (UK), die Fundación General Mediterránea (España) und einige andere. Die finanziellen Unternehmungen, durch die das Geld für die Aktivitäten der Prälatur bereit gestellt wurde (obwohl es sich niemals offiziell und legal nachweisbar um Geld des Opus Dei handelt), waren in Spanien Bankinter, Banco Atlántico, Banco de Vasconia und Banco Popular. Diese Banken haben auch durch den Banco Ambrosiano, die Vatikanbank und andere dazwischengeschaltete Unternehmungen Beziehung zur katholischen Kirche und dem Heiligen Stuhl.

 

 

10.- Unternehmen, mit denen die katholische Kirche zusammenarbeitet.

 

Die Unternehmen, mit denen die katholische Kirche zusammenarbeitet, sind:

 

1.- Die Vatikanbank, das so genannte Istituto per le Opere di Religione (IOR).

 

2.- Banco Ambrosiano (Italien) und Banco Ambrosiano de Ultramar (Nassau, Bahamas). Einer der markantesten Direktoren des Banco Ambrosiano de Ultramar, Paul Marcinkus, wurde nachher Chef der Vatikanbank.

 

3.- Die Clearstream Bank in Luxemburg.

 

11.- Bedeutsame Episoden in der Finanzierung des Opus Dei und der Kirche de la Iglesia.

 

1982 gab es einen Skandal in Zusammenhang mit dem Banco Ambrosiano, über den die eng­li­sche, französische und spanische, nicht jedoch die italienische Ausgabe von Wikipedia berichten:  

 

“1982 stellte sich heraus, dass die Bank über den Verbleib von 1.287 Mio $ keine Auskunft geben konnte. Ihr Präsident Calvi floh mit einem gefälschten Pass außer Landes, und Rosone, der Vizepräsident, erreichte, dass die Bank von Italien die Kontrolle über das Institut übernahm. Die persönliche Sekretärin Calvis, Graziella Corrocher, hinterließ eine Calvi belastende Notiz, bevor sie aus dem Fenster sprang und starb. Calvi selbst wurde am 18. Juni erhängt auf der „Blackfriars Bridge“ in London aufgefunden”.

 

„Kurz bevor die Medien den Skandal um den Banco Ambrosiano enthüllten, wurde Gérard Soisson, Beauftragter von Clearstream für die Aufklärung der Transaktionen, tot in Córcega aufgefunden. Der Banco Ambrosiano war eine der vielen Banken, die geheime Konten bei Clearstream hatte. Als Soisson starb, was der Vorgang bei Ambrosiano noch nicht als Skandal bekannt geworden”.

 

„Der Journalist David Yallop glaubt, dass Calvi, mit Hilfe aus dem Vatikan, für den vorzeitigen Tod von Albino Luciani verantwortlich sein könnte, der als Johannes Paul I. eine Reform der Finanzen des Vatikans plante. Freilich glaubt Calvis Familie, dass er ein Ehrenmann und nur von anderen manipuliert war. Sie lieferten Informationen für Robert Hutchison Buch: „Dein Reich komme: In der geheimen Welt des Opus Dei“ (1997): „“Caló  und Gelli wurden wegen der Ermordung Roberto Calvis gerichtlich verfolgt, ebenso wie seine Brut, sein Chauffeur und ein Buchhalter, der Verbindungen zur Mafia hatte. Am 6. Juni 2007 wurden sie vor der Strafkammer in Rom aus Mangel an Beweisen freigesprochen.”

 

Ana Azanza fasst in ihrem Beitrag vom 7. April 2008, Las finanzas ocultas del Opus Dei,  und vom 28. März 2008, El nuevo presidente del Banco Popular, den Artikel Les finances occultes de l’OPUS DEI zusammen und übersetzt ihn ins Spanische, der on-line verfügbar ist.

 

Der französische Artikel erwähnt Beziehungen zwischen Calvi, Banco Ambrosiano sowie der Vatikanbank mit Bankinter, Banco Atlántico und englischen, Schweizer und spanischen Stiftungen, die durch aktive Vermittlung bestimmter Personen zustande gekommen seien, so etwa Juan Francisco Montuenga, Bofill, Ruiz Mateos, Marcinkus und andere. Der Artikel nimmt die Vermutung von José María Ruiz Mateos wieder auf, dass die Lösung des „besonderen Anliegens“ 1982 und die Lösung der Probleme des Banco Ambrosiano 1982 wohl nicht zufällig zusammenfallen.

 

Ana Azana erwähnt ihrerseits in ihrem Beitrag vom 31. Mai 2010, La historia de la prelatura („Die Geschichte der Prälatur“), berichtet von einer Reihe von Vorkommnissen im Vatikan zu diesem Zeitpunkt, die bewirkten, dass diejenigen, die Einwände gegen die Vorhaben des Werkes vorzubringen hatten, verstummten oder verschwanden, und dass gleichzeitig Personen, die der Prälatur genehm waren, Zugang zu bestimmten Posten erhielten.

 

„Im Mai 1982 regnete es im Vatikan plötzlich von irgendwoher 240 Millionen, die auf ein Schweizer Konto überwiesen werden konnten, um die  Gläubiger von Banco Ambrosiano – Banco Vaticano zu befriedigen. Im November erschien die Bulle Ut sit [durch die das Opus Dei zur Personalprälatur erhoben wurde], und im folgende Jahr wurde Baggio zum Staatssekretär ernannt, del Portillo in drei Dikasterien berufen und Navarro Valls wurde Chef des päpstlichen Pressesaals”.

 

12.- Die Ziele des Opus Dei.

 

Um die Ziele zu erfüllen, derentwegen es entstanden ist, nämlich der Kirche zu dienen, wie die Kirche bedient sein will, und nicht sich ihrer zu bedienen, braucht das Werk Gottes zunächst einmal Geld. Denn es wirkt in dieser Welt und nicht in der anderen, wie der Gründer gemeint hat. Geld ist ein Faktor, der in höchstem Maße macht bedeutet, und deshalb benötigt es das Werk in ganz besonderem Ausmaß, denn um die Kirche zu retten braucht man alle Macht der Welt.

 

Wenn man die Quellen der Einnahmen und die Bilanzen einzelner Regionen hernimmt, könnte man annehmen, dass es sich beim Opus um ein rein menschliches Unternehmen handelt, das außerdem geschaffen wurde, um möglichst viel Geld zusammenzuraffen. Aber diesen Eindruck kann man nur dann bekommen, wenn einem die übernatürliche Sicht und der übernatürliche Sinn fehlen.

Wenn man aber die übernatürliche Sicht besitzt (die man anderswo als Indoktrinierung und als Propaganda bezeichnen würde), dann bleibt klar, dass all dieses Geld der Rettung der Seelen dient. Man braucht nur an die erhabene Sendung des Werkes und an die Heiligkeit der Institution zu glauben, trotz aller Fehler der einzelnen Personen, die zwar Sünder sein mögen, die aber Jesus Christus über alles und wie verrückt lieben. Nur einige, die von wirtschaft­lichen Belangen Bescheid wissen, erkennen auch die wirtschaftliche Seite des Opus Dei, und diejenigen, die sich nicht um ein Verständnis der wirtschaftlichen Belange bemühen,  haben eine ausreichend übernatürliche Sicht um zu verstehen, dass das Werk arm ist, sehr arm.

 

So arbeiten sie alle in dem Bemühen zusammen, die  notwendigen materiellen Mittel für die apostolischen Arbeiten zustande zu bringen, und aufgrund ihrer übernatürlichen Sicht wissen sie alle, dass die Gerüchte über den Reichtum des Opus Dei Verleumdungen sind, ausgestreut von den Feinden der Kirche. 

Einige, die mehr Einblick haben, Kenner des Vatikans, wissen, dass die Korruption im Apparat der Kirche so weit fortgeschritten ist, dass man das Gute, das man erreichen will, nur mit Hilfe von Geld erreichen kann, und sie leiden darunter, während sie dem Apparat der Kirche mehr Geld zur Verfügung stellen, das eben nötig ist, damit alles so funktioniert wie es soll. Wie oft muss man die Gnade des Heiligen Geistes durch Dollars ersetzen oder begleiten, damit die Braut Christi frisches Blut durch die Adern ihres Verwaltungskörpers zirkulieren lassen kann!

Und wie oft denkt man nicht an die berühmten Scherze Johannes XXIII:

- Heiligkeit wie viele Menschen arbeiten im Vatikan!?

- Nun – schätzungsweise die Hälfte.

- Heiligkeit, ist es wahr, dass Sie Wunder wirken?

- Nun – im Vatikan muss man alles machen.

 

Nur die blauäugigen Spanier, wie der Gründer des Werkes, als er nach Rom kam, hatten einen „spanischen Glauben“ an den Heiligen Vater und keinen italienischen Glauben, der auch die Erfahrung menschlicher Schwächen zulässt.

Nur das Triumvirat Escrivá, Del Portillo und Echevarría, die die Persönlichkeit negierten, damit nur Christus triumphiert, waren und sind in der Lage zu verstehen, dass das wirtschaftliche System der Prälatur dazu da ist, der Kirche zu dienen und sie zu heilen, einschließlich der ihr innewohnenden Korruption, die sie plagt. Und deshalb haben nur diejenigen, die vollkommen auf sie vertrauen und etwas weniger Information haben als sie, den nötigen übernatürlichen Sinn um zu verstehen, dass sie ihre Arbeit, ihr Leben und ihre Grundstücke für diesen höchsten Zweck hinzugeben. 

Wenn man diese Schrift im Zusammenhang mit den Beiträgen Lo que queda del día I  II („Was vom Tage übrig blieb“) liest, kann man die Geschichte der Prälatur etwas tiefer verstehen, die Geschichte derer, die in ihr bleiben und der, die wir gegangen sind. Praktisch niemand von uns Ehemaligen wusste von diesem wirtschaftlichen und juridischen System im Werk. Wir fühlten lediglich in unseren Gewissen diese Anhäufung von Widersprüchen und gingen, weil wir mit einigen Aspekten im Werk nicht einverstanden sein konnten. Denn der ganze Aufbau zeigt sich, je klarer man ihn darlegt, als eine unglaubliche Struktur der Sünde.

 

13. Vorgangsweise zur Rückerstattung

Lucas und andere verfolgen die Auffassung, dass das Geld, das die Prälatur den Numerariern und Assoziierten seit November 1982, der Änderung der Statuten, bis jetzt oder dem Zeitpunkt ihres Todes oder Austritts abgenommen hat, auf unrechtmäßige Weise zurückgehalten wird, dass die Pflicht zur Wiedergutmachung besteht und dass man dies einklagen könne und solle. Gervasio schreibt in seinen Kommentaren zum Katechismus 2010 vom 16. August de 2010, dass die Beiträge der Numerarier und Assoziierten (lt. Dionisio durchschnittlich 75% ihres Verdienstes) in die Kategorie einer “Zuwendung” gehören, und Zuwendungen können zurückgefordert werden. Man könnte also ein Rechtsmittel einlegen, damit Menschen, die alles dem Werk überlassen haben und denen das Werk nichts gegeben hat, als sie es verließen, unter diesem Rechtstitel noch rascher und wirksamer; mit mehr Aussicht auf Erfolg vor einem kirchlichen als vor einem zivilen Gerichtshof.

 

Zurück